Ein deutsches militärisches Feldlazarett  (Übungssituation)
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DGU legt Plan für krisenfeste Traumaversorgung vor

/ KTM-Redaktion / Gesundheitspolitik

Die Sicherheitslage in Europa hat sich grundlegend verändert. Nach Auffassung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) muss Deutschland deshalb auch seine medizinische Versorgung auf Krisen und den Bündnisfall vorbereiten. Mit dem neuen Weißbuch ‚Traumatologische Versorgung in Katastrophe, Krise, Krieg (3K)‘ unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zeigt die Fachgesellschaft, wie sich die Versorgung Verletzter im Ernstfall unter Einbeziehung der bestehenden Strukturen der TraumaNetzwerke DGU bundesweit koordinieren lässt. Neue Parallelstrukturen braucht es dafür aus Sicht der DGOU nicht. Stattdessen formuliert sie vier Maßnahmen, mit denen sich das Netzwerk gezielt weiterentwickeln und fest in die nationale Krisensteuerung einbinden lässt. Denn dieselben Strukturen, die sich heute in der Versorgung Schwerverletzter bewähren, werden auch bei Anschlägen auf öffentliche Veranstaltungen, Naturkatastrophen, Pandemien und im Bündnisfall benötigt.

„Die TraumaNetzwerke sind schon heute das Rückgrat der Schwerverletztenversorgung in Deutschland. Im Bündnisfall können sie maßgeblich dazu beitragen, dass sowohl Kriegsverletzte als auch die zivile Bevölkerung bestmöglich versorgt werden. Diese Doppelaufgabe kann aber nur bewältigt werden, wenn die TraumaNetzwerke fest in die Krisensteuerung eingebunden sind“, sagt DGOU- und DGU-Präsident Prof. Dr. Frank Hildebrand.

„Gesundheitspolitik muss als Teil der nationalen Sicherheitsvorsorge verstanden werden. Deutschland braucht keine neuen Parallelstrukturen, sondern starke und krisenfeste TraumaNetzwerke. Dafür sind Investitionen in Krankenhäuser, Ausbildung, regelmäßige Übungen sowie eine verlässliche Vorbereitung auf Engpässe bei Personal, Material und Infrastruktur notwendig. Das TraumaNetzwerk DGU bietet dafür bereits heute eine belastbare Grundlage“, so DGU-Generalsekretär Prof. Dr. Sascha Flohé.

TraumaNetzerk DGU in die Krisenstäbe einbinden

Den Grundstein dafür legte die DGU bereits vor 20 Jahren mit ihrem Weißbuch Schwerverletztenversorgung. Daraus entstanden die TraumaNetzwerke DGU – heute eines der größten und am besten strukturierten Versorgungsnetzwerke für Schwerverletzte weltweit. Mehr als 600 zertifizierte Kliniken arbeiten in über 50 regionalen TraumaNetzwerken zusammen. Das neue Weißbuch 3K denkt dieses bewährte System gezielt für Katastrophen, langanhaltende Krisen und den Bündnisfall weiter.

Wenn plötzlich sehr viele Menschen gleichzeitig verletzt werden, kommt es entscheidend darauf an, die Patientinnen und Patienten gezielt auf geeignete Kliniken zu verteilen. Das TraumaNetzwerk DGU hat sich bei einem Massenanfall von Verletzten, etwa nach schweren Verkehrsunfällen, bereits bewährt. Statt alle Verletzten in die nächstgelegene Klinik zu bringen, werden sie dorthin gesteuert, wo die notwendige Expertise und freie Kapazitäten vorhanden sind. So lassen sich Überlastungen einzelner Krankenhäuser vermeiden und die vorhandenen Ressourcen bundesweit optimal nutzen.

Vier Maßnahmen

  • Im Weißbuch 3K zeigt die Fachgesellschaft, wie die bestehenden TraumaNetzwerke DGU gezielt weiterentwickelt werden können und formuliert, an die Politik gerichtet, vier zentrale Maßnahmen:
  • Bestehende TraumaNetzwerke in die nationale Verteilungsstruktur einbinden, damit Verletzte auch im Krisen- und Bündnisfall schnell in die richtige Klinik gelangen.
  • Medizinisches Personal gezielt qualifizieren und regelmäßig trainieren, um auf außergewöhnliche Schadenslagen vorbereitet zu sein.
  • Krankenhäuser durch Materialreserven, sichere Lieferketten und einer verlässlichen Finanzierung krisenfest machen.
  • Ein Gesundheitssicherstellungsgesetz schaffen, das klare Zuständigkeiten und Rechtssicherheit für die medizinische Versorgung im Ernstfall gewährleistet.

Die Versorgung Schwerverletzter im Krisen-, Katastrophen- und Bündnisfall kann nur interdisziplinär und multiprofessionell gelingen. Deshalb wurde das Weißbuch gemeinsam mit dem Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr und weiteren medizinischen Fachgesellschaften erarbeitet.

Ein Beispiel für diesen interdisziplinären Ansatz sind die ersten seit Juni 2026 zertifizierten orthoplastischen Kompetenzzentren Deutschlands. Dort arbeiten Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Plastische und Rekonstruktive Chirurgie eng zusammen, um komplexe Explosions- und Mehrfachverletzungen bestmöglich zu versorgen. Langfristig soll jedes TraumaNetzwerk DGU über mindestens ein solches Zentrum verfügen.