Hitzeschutz: Viel heiße Luft
/ KTM-Redaktion / Patientensicherheit
Angesichts des Klimawandels gewinnt der Hitzeschutz im Krankenhaus zusehends an Bedeutung. Eine aktuelle Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) für die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat untersucht, mit welchen fachlichen, organisatorischen und finanziellen Herausforderungen die Krankenhäuser bei dem Thema konfrontiert sind. An der Repräsentativbefragung beteiligten sich bundesweit 458 Krankenhäuser.
Die Ergebnisse sind ernüchternd: 59 Prozent der deutschen Krankenhäuser können keines ihrer Patientenzimmer kühlen. Die verbleibenden 41 Prozent können im Mittel (Median) in nur elf Prozent ihrer Patientenzimmer aktiv die Temperatur senken, vor allem über Klimaanlagen. Der Anteil von Häusern mit aktiver Kühlung von Patientenzimmern fällt in den Allgemeinkrankenhäusern mit 44 Prozent deutlich höher aus als in den Psychiatrien mit 27 Prozent.
Patienten und Mitarbeitende leiden gleichermaßen
Rund ein Drittel der Krankenhäuser hatte 2026 während ausgeprägter Hitzeperioden einen erhöhten Krankenstand. Je höher die Inanspruchnahme in Hitzeperioden sei, desto größer sei auch der Krankenstand, so das DKI. Insofern würden ausgeprägte Hitzeperioden die Versorgungssituation im Krankenhaus zusätzlich verschärfen.
Haupthindernis für einen verbesserten Hitzeschutz im Krankenhaus sind laut der Ergebnisse fehlende finanzielle Mittel hierfür. 97 Prozent der Befragten stimmten dem zu. Auch der hohe bürokratische Aufwand und die fehlende Flexibilität für Fördermaßnahmen schrecke viele Krankenhäuser ab, mehr für den Hitzeschutz zu tun. Vielfach hätten sie momentan angesichts einer schwierigen wirtschaftlichen Lage auch andere Prioritäten, so die Studienautoren.
Die DKG fordert angesichts dieser Zahlen entschiedenes Handeln, um die Krankenhäuser bis zum Sommer 2027 in die Lage zu versetzen, ihre Gebäude zügig mit Kühltechnik nachzurüsten, um für die erwartbaren längeren und intensiveren Hitzeperioden vorbereitet zu sein. Für viele Krankenhauspatienten sei Hitze lebensgefährlich, so die DKG. Daher bestehe in Krankenhäusern – wie auch in Pflegeheimen und ähnlichen Einrichtungen – besonderer Handlungsbedarf. Der Vorstandsvorsitzende der DKG, Dr. Gerald Gaß, sagte anlässlich der Veröffentlichung der Studienergebnisse: „Wenn es heiß wird, herrschen fast überall in deutschen Krankenhäusern inakzeptable Zustände. Nur rund fünf Prozent der Patientenzimmer können aktiv gekühlt werden. Die Räume heizen sich auf, Menschen haben keine andere Wahl als in ihren Betten zu schwitzen. Und nicht zuletzt müssen auch die Beschäftigten bei Höchsttemperaturen volle Leistung bringen. Sie können ihre Arbeitszeit nicht in kühlere Stunden verlegen oder ins Hitzefrei gehen. Diese Zustände müssen sich so schnell wie möglich ändern.“
Fast alle Krankenhäuser würden den Mangel an Klimaanlagen und anderer Kühltechnik mit fehlendem Geld begründen – Ursache dafür sei die seit Jahrzehnten unzureichende Investitionskostenfinanzierung der Länder. „Bis zum kommenden Sommer muss sich die Situation spürbar verbessert haben“, so Gaß.
Dieser Beitrag stammt aus dem KTM-Newsletter im September 2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!