Prof. Lutz Hager
Prof. Lutz Hager

Interview: Geschäftsmodelle jenseits der Fragmentierung

/ KTM-Redaktion / Interview

Beim Kongress des Bundesverbandes Managed Care (BMC), der am 27. und 28. Januar 2026 in Berlin stattfand, hat der BMC-Vorstandsvorsitzende Prof. Lutz Hager mit unserem Redakteur Sven C. Preusker über Politik, die Zukunft der Versorgung und die Rolle der Industrie gesprochen.

Was wird die (Gesundheits)-Politik dieses Jahr unbedingt anpacken müssen über die Dinge hinaus, die ohnehin schon auf der Agenda stehen?

Wir müssen das Ziel größer denken. Es geht darum, die sektorale Versorgung hinter uns zu lassen und ein neues patientenorientiertes Versorgungsmodell zu schaffen, welches eben nicht in den Bahnen von Organisations, Einrichtungs-  oder Sektorengrenzen festgelegt ist. Dazu bedarf es eines größeren Zielbildes – das kann nur erreicht werden, indem die verschiedenen Reformprojekte dahingehend miteinander verbunden werden.

Primärversorgung war eine der ‚Burning Questions‘ auf dem BMC-Kongress. Welche Erkenntnisse dazu nehmen Sie mit?

Es gibt eine große Bereitschaft bei den vielen Akteuren, Stakeholdern und Beteiligten in der Versorgung, wirklich neue Wege zu geben. Und es liegt eine Vielzahl von Lösungen heute schon vor. All das, was wir uns vornehmen, können wir auch umsetzen.

Was nehmen Sie als zentrales Learning vom diesjährigen BMC-Kongress mit – auch als Aufgabe für den Verband?

Wir müssen uns weiter dafür einsetzen, dass wir nicht zu kurz springen. Natürlich will jeder seine partikularen Ziele unterbringen. Darüber laufen wir Gefahr, auch mit wohlklingenden Reformen nah am Status Quo zu bleiben. Pointiert: Wer das Ziel nicht kennt, für den ist jeder Weg der Richtige. Die Zukunft der Gesundheitsversorgung liegt aber jenseits von Sektoren- und Sozialgesetzbuch-Grenzen, Einzelleistungsvergütungen und einseitigem Fokus auf Reparaturmedizin. Wir zielen nicht nur auf eine andere, sondern vor allem auf eine bessere Versorgung. Auf dieses Ziel hin müssen wir uns immer wieder ausrichten und darin sehe ich auch die Aufgabe des BMC.

Jetzt mal ein bisschen woanders hingeschaut – welche Aufgaben sehen Sie auf die Medizintechnik und die Healthcare-IT-Industrie zukommen, um die Versorgung zukunftsfest zu machen?

Die Unternehmen dieser Branchen haben als Innovationsmotoren eine unglaubliche Bedeutung. Die Passung mit den realen Problemen und Anforderungen in der Gesundheitsversorgung bleibt die eigentliche Herausforderung. Die Wirklichkeit folgt ja nicht den Softwareentwicklern, sondern diese müssen sich dort inspirieren, wo die Menschen und die Beteiligten im Gesundheitswesen anders arbeiten möchten. Das heißt, vom Lead einer Entlastung, einer intuitiven Nutzung, einer Koordinierung her zu arbeiten.

Wie passt denn der Wandel in der Versorgungslandschaft einerseits mit der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle für Unternehmen in der Gesundheitswirtschaft andererseits zusammen?

Die eigentlich interessanten Mehrwerte für Gesundheitsversorgung und damit auch Geschäftsmodelle liegen jenseits der heutigen Fragmentierung von Versorgungswegen und Intransparenz von Outcomes. Wir haben das im BMC mit unserem Fokus auf Value-Based Care klar herausgearbeitet. Kürzlich haben wir innovative Use-Cases für die Nutzung von KI und Gesundheitsdaten zusammengetragen. Geschäftsmodelle, die international funktionieren, sind im deutschen Gesundheitssystem nur sehr schwierig oder gar nicht umzusetzen. Das müssen wir ändern. Der Value-Fokus verbindet Nutzen für Patientinnen und Patienten und die Allgemeinheit mit Geschäftsmodellen für Unternehmen. Daher sprechen wir im BMC von einem ‚Gemeinschaftsprojekt Gesundheit‘.

Diese Win-Win-Situation muss also ermöglicht werden, auch von der Politik?

Genau – Der Kongress ist auch eine starke Botschaft an Politik und Selbstverwaltung, dass Anbieter, Versorger und Kassen großes Interesse an innovativen Lösungen haben und vielfach aus eigener Initiative vorangehen. Das ist ermutigend und macht den besonderen Spirit des BMC-Kongresses aus. Ich freue mich auch über die große mediale Resonanz, das wird allen Beteiligten bei der weiteren Arbeit helfen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieser Beitrag stammt aus dem KTM-Newsletter 02/2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!