Fünf Ärzte in weißen Kitteln vor großem Recycling-Symbol, umgeben von Pflanzen und medizinischen Symbolen
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Kapitulation vor Nachhaltigkeitsberichterstattung?

/ KTM-Redaktion / Krankenhäuser

Knapp 90 Prozent der deutschen Kliniken geben an, in Sachen Nachhaltigkeitsberichterstattung noch ganz am Anfang zu stehen – zentraler Kritikpunkt ist der hohe finanzielle und personelle Aufwand für die Berichterstattung. Das ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Studie der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI). Dabei stehen die deutschen Krankenhäuser vor vielfältigen Herausforderungen, die sowohl politischer als auch regulatorischer Natur sind – hinzu kommt der anhaltende Fachkräftemangel, der durch die hohe Arbeitsbelastung und unzureichende Vergütung noch verstärkt wird. In dieser Situation empfinden die Krankenhäuser die aufkommende Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung durch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) als zusätzliche Belastung. Zum Hintergrund: laut CSRD sind Krankenhäuser, die mehr als 250 Mitarbeiter haben sowie deren Umsatzerlös über 40 Millionen Euro oder deren Bilanzsumme über 20 Millionen Euro liegt, verpflichtet, erstmalig für das Geschäftsjahr 2025 einen Nachhaltigkeitsbericht über ihre Aktivitäten in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (daher das englische Akronym ESG) zu erstellen. Voraussetzung ist, dass zwei der drei genannten Kriterien an zwei aufeinanderfolgenden Bilanzstichtagen erfüllt werden.

„Die deutschen Krankenhäuser stehen in den vergangenen Monaten und Jahren unter stetig steigendem Druck“, so Dr. Karl Blum, Vorstand des DKI. „Politisch stehen sie vor der Herausforderung, sich an die ständig wechselnden Rahmenbedingungen und Vorgaben anzupassen, dazu kommen die allgemeine wirtschaftliche Lage, Sorgen um auskömmliche Finanzierung und personelle Besetzung. In dieser Situation macht die Nachhaltigkeitsberichterstattung nun zusätzlich Sorgen.“

Entsprechend stufen Kliniken die auf sie zukommende Pflicht ein. Nach ihrer Einschätzung bindet die Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht nur umfassende personelle und finanzielle Ressourcen, sondern ist bei der aktuellen wirtschaftlichen Lage schlicht kaum zu leisten. Daneben wird befürchtet, dass die tatsächliche Umsetzung von Maßnahmen zur Steigerung der Nachhaltigkeit bürokratischen Pflichten zum Opfer fällt, die keinen tatsächlichen Nutzen für die Häuser bringen. Mit einer Umsetzung der CSRD würde der Großteil der deutschen Kliniken erstmalig berichtspflichtig werden und die knapp 90 Prozent der Kliniken, die noch nie einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt haben, müssten handeln.

Nur elf Prozent der deutschen Krankenhäuser haben laut der Untersuchungsergebnisse bislang einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt, 70 Prozent haben bislang gar nicht über Nachhaltigkeitsaktivitäten informiert. Über 70 Prozent der Kliniken sehen sich in Punkto Nachhaltigkeitsmanagement als gänzlich am Anfang stehend oder stufen sich selbst als Starter ein.

„Die Ergebnisse der Studie zeigen, welche enormen Sorgen hier in der Krankenhauslandschaft zu dem Thema bestehen“, so Prof. Dr. Volker Penter, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei BDO. Die Kliniken könnten das ohne externe Unterstützung kaum bewältigen, diese wiederum belastet ihre Budgets. Zusätzlich erschwert werde jegliche seriöse Planung in dieser Hinsicht durch die noch nicht erfolgte Umsetzung der CSRD in deutsches Recht, die mit Blick auf die bundespolitische Lage auch weiter unklar sei.

An der 2024 durchgeführten und nun ausgewerteten Befragung beteiligten sich bundesweit 333 Krankenhäuser mit einer Größe ab 100 Betten. Unterschiede im Rücklauf nach der Krankenhausträgerschaft wurden durch eine entsprechende Gewichtung ausgeglichen. Nach Maßgabe dieser Gewichtung sind die Ergebnisse repräsentativ für die Grundgesamtheit.