Infografik zum Thema Klinik-IT auf dem Cyber-Prüfstand
Bild KI-generiert

Klinik-IT auf dem Cyber-Prüfstand

/ Nico Brüggemann und Dr. Markus Willing / Gastbeitrag

Krankenhäuser sollen digitaler, effizienter und stärker vernetzt werden. Gleichzeitig wächst mit jedem weiteren IT-System die Angriffsfläche. Laut der Krankenhausstudie 2025 von BDO und DKI war jedes fünfte Krankenhaus in den vergangenen drei Jahren von meldepflichtiger Cyberkriminalität betroffen. In 19 Prozent der Fälle kam es sogar zu direkten Beeinträchtigungen der Patientenversorgung.

Mit der Umsetzung der NIS2-Richtlinie steigen zugleich die Anforderungen an Governance, Risikomanagement und die regelmäßige Überprüfung der betrieblichen Resilienz. Doch ob Sicherheitskonzepte und Notfallpläne tatsächlich greifen, entscheidet sich nicht auf dem Papier, sondern im Zusammenspiel von Menschen, Prozessen und Technik.

Realistische Krisen- und Angriffssimulationen stellen diese Abläufe im Ernstfall auf die Probe. Sie prüfen neben technischen Schutzmaßnahmen vor allem die Wirksamkeit der Betriebskontinuität in der Organisation. Wie schnell werden Entscheidungen getroffen? Sind Verantwortlichkeiten klar geregelt? Funktioniert die Kommunikation auch dann, wenn zentrale IT-Systeme ausfallen?

Im Ernstfall scheitern Entscheidungen selten an fehlender Technik, sondern an unklaren Zuständigkeiten, Kommunikationsbrüchen oder nicht eingeübten Abläufen. Erst unter realistischen Testbedingungen wird sichtbar, ob Notfallprozesse funktionieren oder organisatorische Schwachstellen bestehen.

Praxisnahe Simulationen – etwa die wissenschaftlich begleitete Krisensimulation des Lernlabors Cybersicherheit der Fraunhofer Academy – ermöglichen es Krankenhäusern, solche organisatorischen und technischen Schwachstellen frühzeitig zu erkennen. In einem geschützten Rahmen werden reale Angriffsszenarien durchgespielt, Entscheidungswege überprüft und Abläufe trainiert. Die anschließende Auswertung zeigt auf, wie sich Notfallmanagement und Krisenfestigkeit gezielt verbessern lassen.

Der größte Mehrwert liegt nicht darin, bekannte Angriffsszenarien nachzustellen, sondern Unsicherheiten aufzudecken, solange noch Zeit bleibt, sie zu beheben. So entsteht die Kompetenz, auf die es im Ernstfall ankommt. Denn in Krankenhäusern ist IT-Sicherheit Teil verlässlicher Patientenversorgung, besonders wenn Krisen den Betrieb unter Druck setzen.

Über das Lernlabor Cybersicherheit

Das Lernlabor Cybersicherheit (LLCS) ist ein Fraunhofer-Hochschul-Laborverbund von Fraunhofer-Instituten (FhI) und ausgewählten Hochschulen der angewandten Wissenschaften (HaW) unter dem Dach der Fraunhofer Academy. Seit 2016 bringt das LLCS mit verschiedenen Lernformaten die Forschungsergebnisse zu IT-Sicherheit praxisnah und anwendungsorientiert in Wirtschaft und Gesellschaft. Dafür haben sich seither acht FhI und zehn HaW zu acht Konsortien (zusammengeschlossen, die auf Basis ihrer Forschungsaktivitäten und Branchenkenntnissen mit ihren Weiterbildungen unterschiedliche Schwerpunkte der IT-Sicherheit adressieren.

Ein Gastbeitrag von Nico Brüggemann (li) und Dr. Markus Willing (re.), wissenschaftliche Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT)

Dieser Beitrag stammt aus dem KTM-Newsletter im Juli 2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!