Prof. Hanns-Peter Knaebel Vorstandsvorsitzender des Verbunds der Unikliniken Heidelberg und Mannheim
Prof. Hanns-Peter Knaebel Vorstandsvorsitzender des Verbunds der Unikliniken Heidelberg und Mannheim. ©UK Heidelberg

Knaebel: Industrie als zentraler Partner

/ KTM-Redaktion / Interview

Die Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) AöR hat zum 1. Januar 2026 die Mehrheit der Gesellschaftsanteile der Universitätsklinikum Mannheim GmbH von der Stadt Mannheim übernommen. Mit dem Verbund entsteht eines der größten Universitätsklinika Europas und ein universitärer Maximalversorgermit bundesweiter Bedeutung. Gemeinsam mit der Exzellenzuniversität Heidelberg, ihren beiden Medizinischen Fakultäten in Heidelberg und Mannheim sowie der ‚Health + Life Science Alliance Heidelberg Mannheim‘ soll der Verbund den Gesundheits- und Medizinstandort der Metropolregion Rhein-Neckar weiter stärken. Die Leitung des Verbunds hat Prof. Hanns-Peter Knaebel als Vorsitzender des mit ihm nun sechsköpfigen Vorstands des UKHD übernommen. Im Interview spricht er unter anderem über die Ziele des Verbundes und die Rolle der Medizintechnik-Industrie in der Versorgungs- und Forschungslandschaft.

Im Interview mit KTM-Redakteur Sven C. Preusker spricht Prof. Dr. Knaebel über die Pläne für den Verbund, politische Rahmenbedingungen und die Rolle der Industrie.

Was sind die ersten Schritte für die beiden Universitätsklinika in Heidelberg und Mannheim und die Medizinischen Fakultäten, nachdem der Verbund nun formell besiegelt ist?

Der erste und wesentliche Schritt der ersten Wochen war die Aufstellung des Vorstands des Verbundes der Universitätsklinika sowie die entsprechende Ressortzuordnung, um schnell handlungsfähig und mit klarer Verantwortung aufgestellt zu sein. Als nächstes folgt die klinische Schwerpunktsetzung zwischen Heidelberg und Mannheim, aus welcher die Medizinstrategie entsteht, die zentrale Säule der Konzernstrategie ist.
Ein weiterer Pfeiler der Konzernstrategie ist die Digitalstrategie, die ebenfalls bereits in Bearbeitung ist. Abschließend ist für das erste Halbjahr geplant, die Markenbildung des neuen Verbundes weiterzuentwickeln. Wir werden eine sichtbare, griffige und auch international verwendbare Marke für den Verbund entwickeln, mit welcher sich die Mitarbeitenden identifizieren und wir uns präsentieren können.

Die Krankenhauslandschaft in Deutschland steht vor einem immensen Wandel – getrieben durch die Entwicklungen in Medizin und Technik und von finanziellen Restriktionen und Rahmenbedingungen, die viele als suboptimal bezeichnen würden. Wie stehen in diesem Umfeld die Chancen, Patientenversorgung auf allerhöchstem Niveau anzubieten?

Das Umfeld und die Rahmenbedingungen sind aktuell sehr herausfordernd, um es höflich zu formulieren. In diesem Umfeld kann man nur bestehen, wenn man sich strategisch klar aufstellt und es inhaltlich schafft, die Strategie auch konzentriert umzusetzen. Wesentliche Säulen unserer Strategie sind eine gut abgestimmte und koordinierte Medizinstrategie im Verbund mit allen Partnern, eine umfassende Digitalstrategie auf der Basis eines datengetriebenen Krankenhauses und ein hohes Maß an Kooperationsfähigkeit mit den großen Unternehmen der Gesundheitsindustrie und bei Ausgründungen. Dies sind nur einige wenige strategische Themen, aber wenn wir diese gut machen, dann wird unser Verbund strategisch stark und resilient aufgestellt sein und ich mache mir keine Sorgen um unsere Zukunft.

Sie waren selbst lange in der Industrie tätig – wie sehen Sie die Medizintechnik-Industrie im Zusammenspiel mit Forschung, Lehre und klinischer Praxis?

Die Industrie im Allgemeinen und hier speziell die Pharma-, Biotechnologie- und Medizintechnikindustrie sind die zentralen Partner einer Forschungsregion, um neue Erkenntnisse in Produkte zu überführen und dann in die Patientenversorgung weltweit zu tragen. Meist sind die Unternehmen der Gesundheitsindustrie sehr anwendungsorientiert und somit der natürliche und ideale Partner für unsere sehr grundlagen-orientierten und wissenschaftlich getriebenen Institutionen in der Region. Somit sollte man nie die Industrie als Gegenspieler der Forschung gegenüberstellen, sondern beide Einrichtungen gemeinsam denken und diese unterschiedlichen Rollen als einen Mehrwert begreifen. Dieser Mehrwert führt dazu, dass aus neuen Erkenntnissen innovative Produkte in Pharma, Biotechnologie und Medizintechnik entstehen. Diese Partnerschaft ist von unverzichtbarem Wert für eine verbesserte Patientenversorgung in der Region und weltweit und daher wollen wir diese Zusammenarbeit zwischen Krankenversorgung, Forschung und Industrie noch erheblich weiter ausbauen und die Rhein-Neckar-Region als Ökosystem der Gesundheitswirtschaft stärken.

Herzlichen Dank für das Gespräch!