Blutschläuche mit einer Hämodialysemaschine im Hintergrund.
© procinemastock - stock.adobe.com

Können Dialyse-Einwegprodukte recycelt werden?

/ KTM-Redaktion / Forschung

Anfang Juni ist das Forschungs- und Entwicklungsprojekt ‚Dialycycle – Entwicklung und Erprobung einer ganzheitlichen Prozesskette für das Recycling von Kunststoff-Einwegprodukten bei der Dialyse‘ gestartet. Hintergrund sind die großen ungenutzten Abfallmengen, die speziell bei der Hämodialyse, aber auch generell im medizinischen Bereich entstehen: Pro Dialyse fallen mindestens 2,5 Kilogramm kunststoffbasierter Abfälle (gebrauchte Dialysatoren und Blutschlauchsysteme) an, ein Wertstoff, der (noch) verbrannt wird. In Deutschland summiert sich das auf rund 35.000 Tonnen pro Jahr. Ziel von ‚Dialycycle‘ ist es, erstmals eine durchgängige, praxisnahe Prozesskette für das werkstoffliche Recycling von kunststoffbasierten Dialyse-Einwegprodukten zu entwickeln und zu erproben, um die bisher übliche Verbrennung abzulösen. Durch den Einsatz der gewonnenen Rezyklate lassen sich bis zu 50 Prozent der CO₂-Emissionen einsparen, die Dialysebehandlungen und besonders deren Einwegprodukte derzeit noch zu einem der größten medizinischen CO2-Emittenten machen. Somit versucht das Projekt, einer zentralen ökologischen Herausforderung im Gesundheitswesen zu begegnenund hat darüber hinaus das Potenzial, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zur Kunststoffproduktion zu senken.

Projektbeteiligung des KfH

Als einer der größten Dialyseanbieter in Deutschland bringt das KfH seine Expertise insbesondere in den Bereichen Stoffstromanalyse, Abfallerfassung und verwertungsoptimierte Sammellogistik ein. Diese Kompetenz hat bereits heute im Bereich der Umverpackungen zu einer Recycling-Quote von 95 Prozent geführt. In ausgewählten KfH-Nierenzentren sollen jetzt auch die klinischen Materialströme analysiert und neue Konzepte für eine recyclinggerechte Desinfektion und Sammlung medizinischer Kunststoffabfälle entwickelt und praktisch erprobt werden.
Am Ende der Projektlaufzeit soll neben technischen Demonstratoren vor allem ein wirtschaftlich tragfähiges und übertragbares Geschäftsmodell vorliegen, das perspektivisch auf weitere Dialyse- und andere medizinische Einrichtungen ausgeweitet werden soll. Man leiste damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen und zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks der Dialyseversorgung, so Prof. Dr. med. Joachim Beige, Geschäftsbereichsleiter Medizin und Pflege im KfH. Um diese Ziele zu erreichen, sei es notwendig, die erwarteten Projektergebnisse derart zu nutzen, dass der angestrebte Aufarbeitungs-Wertstoffstrom zum industriellen Standard wird.

Umgang mit kontaminierten Abfällen

Das Projekt widmet sich auch den bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen für den Umgang mit kontaminierten medizinischen Abfällen. Diese sind in der Praxis komplex und erfordern bei Recyclingvorhaben häufig individuelle, abfallspezifische Genehmigungen, die mit entsprechendem Zeit- und Ressourceneinsatz verbunden sind. Im Rahmen des Projekts sollen daher zusätzliche Praxiserfahrungen und Erkenntnisse gesammelt werden, die dazu beitragen können, bestehende Verfahren besser zu verstehen und perspektivisch Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung etablierter Regelungen bei Wahrung hoher Sicherheits- und Umweltstandards aufzuzeigen.

Der Förderantrag für das Projekt wurde durch das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) Anfang April bewilligt, es hat eine Laufzeit von 36 Monaten. Koordiniert wird das Verbundprojekt vom Verein ‚Circular MTC‘ in Chemnitz, das KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation ist einer der Projektpartner.

Dieser Beitrag stammt aus dem KTM-Newsletter im Juni 2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!