Ein Mann in einem weißen Laborkittel schreibt auf einem Stapel von Dokumenten, umgeben von hohen Papierstapeln.
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Krankenhäuser fürchten wachsende Bürokratie

/ KTM-Redaktion / Krankenhäuser

Die wirtschaftliche Situation der deutschen Krankenhäuser bleibt alarmierend. Das zeigt nach dem ‚Krankenhaus Rating Report 2025‘ (siehe Meldung ‚Raus aus dem Tal der Tränen?‘) auch die aktuelle Frühjahrsumfrage zum Krankenhaus-Index des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI), an der sich bundesweit 416 Krankenhäuser beteiligt haben. Die Ergebnisse stammen aus der Erhebung von Anfang Juni.

Aufgrund notwendiger Sparmaßnahmen müssten sich Patienten in den kommenden sechs Monaten vielerorts auf Einschränkungen in der Versorgung einstellen, heißt es in der Untersuchung. Jedes zweite Allgemeinkrankenhaus geht davon aus, Personal reduzieren zu müssen. Das wiederum könnte zu Leistungseinschränkungen führen – etwa aufgrund von vorübergehenden Stationsschließungen oder Verschiebung planbarer Operationen. Als Hauptursache für diese Entwicklung werden nicht refinanzierte Kostensteigerungen der letzten Jahre genannt.

„Die Umfrageergebnisse bestätigen erneut die angespannte wirtschaftliche Lage unserer Kliniken. Fast die Hälfte der Allgemeinkrankenhäuser bewertet ihre Situation als schlecht oder sehr schlecht, nur elf Prozent sprechen von einer guten Lage“, so Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Darüber hinaus befürchten viele Krankenhäuser im Zuge der anstehenden Krankenhausreform zusätzliche Bürokratie. Für Dokumentationspflichten, MD-Prüfungen und Vorhaltefinanzierung werden bundesweit rund 5.000 zusätzliche Vollzeitkräfte benötigt – mit Mehrkosten von etwa 435 Millionen Euro jährlich. Einen solchen Bürokratieaufwuchs müsse Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) unbedingt verhindern und deshalb das anstehende ‚Fortentwicklungsgesetz‘ zu einem konsequenten Bürokratieabbau nutzen. Im Mittelpunkt dabei müsse die sofortige Aussetzung der geplanten Vorhaltefinanzierung stehen, so Gaß. Doch gerade diese soll laut der zwischen Bundes- und Länderebene in Gesprächen am 4. Juli erzielten Einigung nicht angefasst werden – lediglich die Fristen sollen Verlängert werden.

Auch die Zielsetzung künftig eine Million Fälle unter den sogenannten Hybrid-DRGs erbringen zu müssen, stellen die Krankenhäuser laut DKI vor Herausforderungen: So nehmen über 90 Prozent der Krankenhäuser bereits an der Erbringung von Hybrid-DRGs teil. Aktuell überwiegen jedoch die Sorgen um eine lückenlose Nachsorge der Patienten, insbesondere wegen fehlender Kapazitäten im ambulanten Bereich.

Nur wenige Häuser planen laut der Umfrageergebnisse derzeit, die Möglichkeit, sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen (SüV) einzurichten, zu nutzen. Lediglich acht Prozent wollen eine SüV vorhalten, ein Viertel prüft entsprechende Schritte, vor allem in ländlichen Regionen. Aus dieser Zurückhaltung werde deutlich, wie unklar nach wie vor die zukünftigen Rahmenbedingungen für diese neuen Versorgungsangebote sind, so die Autoren.

Vor dem Hintergrund der pessimistischen Einschätzungen begrüßte die DKG ausdrücklich das klare Bekenntnis der Bundesgesundheitsministerin und der Gesundheitsminister der Länder zu einem Inflationsausgleich für die Krankenhäuser sowie zu einer entschlossenen Weiterentwicklung der Krankenhausreform.

Konkret wurden mehr Möglichkeiten für Ausnahmen und Kooperationen vereinbart, um die Versorgung im ländlichen Raum sicherzustellen. Außerdem soll die budgetneutrale Übergangsphase der Krankenhausreform ein Jahr länger dauern –die neue Finanzierungssystematik würde so erst ab 2030 greifen. Vorgesehen ist auch eine Verringerung der Zahl der Leistungsgruppen von 65 auf 61. Laut BMG soll ein entsprechender Gesetzentwurf im September im Kabinett beraten werden.