Krankenhausmanagement Schreibtisch mit rotem Abwärtspfeil
Bild KI-generiert mit ChatGPT (OpenAI)

Krankenhaus-Geschäftsklima auf historischem Tief

/ KTM-Redaktion / Umfrage

Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser in Deutschland verschärft sich weiter. 74 Prozent der Krankenhäuser bewerten laut einer aktuellen Befragung ihre aktuelle wirtschaftliche Situation als unbefriedigend. Bei großen Häusern ab 600 Betten sind es sogar 95 Prozent. Für die kommenden sechs Monate erwarten 59 Prozent der Krankenhäuser eine weitere Verschlechterung ihrer Lage, in ländlichen Regionen sind es bis zu 79 Prozent.

Das ist das Ergebnis des neuen Krankenhaus Konjunkturbarometers des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) für die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). An der ersten Repräsentativbefragung im April 2026 beteiligten sich bundesweit 185 Allgemeinkrankenhäuser ab 100 Betten. Analog zum bekannten ifo-Geschäftsklimaindex soll das Konjunkturbarometer als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in den deutschen Krankenhäusern dienen.

Die wirtschaftliche Lage und Entwicklung werden dabei standardisiert über einen Geschäftsklima-Saldo erfasst. Der Saldo kann zwischen den Extremwerten von -100 bis +100 schwanken. Im Krankenhaus Konjunkturbarometer lag der aktuelle Geschäftsklima-Saldo für die Krankenhäuser bei -63. Zum Vergleich: Der ifo-Geschäftsklima-Saldo variierte in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 bundesweit über alle Branchen zwischen -7 und -11. Im gleichen Zeitraum lag der schlechteste Saldo-Wert im gesamten Dienstleistungssektor bei -26 und im Handel bei -24.

Im Vergleich zu den über das ifo erfassten Wirtschaftszweigen ist die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser somit deutlich schlechter. Besonders kritisch ist der Geschäftsklima-Saldo in größeren Krankenhäusern ab 600 Betten (-72) und in dünn besiedelten ländlichen Gebieten (-76).

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. Gerald Gaß, warnt eindringlich vor den Folgen dieser Entwicklung: „Während andere Branchen im einstelligen Minusbereich liegen, stehen Krankenhäuser mit minus 63 dramatisch schlechter da als nahezu jeder andere Wirtschaftszweig. Ein solcher Geschäftsklimaindex ist kein Warnsignal mehr – das ist ein wirtschaftlicher Notruf der Krankenhäuser.“

Entsprechend ihrer schwierigen wirtschaftlichen Lage ist laut der Befragung die Liquidität der Krankenhäuser äußerst kritisch. Nur neun Prozent der Krankenhäuser können ihre durchschnittlichen Betriebsausgaben unbegrenzt aus vorhandenen liquiden Mitteln decken. In den übrigen Häusern reicht die Liquidität im Mittel für sechs Wochen aus, um die laufenden Betriebsausgaben zu finanzieren.

„Es geht längst nicht mehr um Klagen über schwierige Rahmenbedingungen, sondern um die nackte wirtschaftliche Existenz vieler Kliniken“, so Gaß. „Die Liquidität vieler Krankenhäuser reicht heute kaum noch für wenige Wochen. Da stellt sich ernsthaft die Frage, wie manche Kliniken Ende des Jahres beispielsweise Weihnachtsgeld bezahlen sollen. Eine solche Liquiditätsreserve von wenigen Wochen ermöglicht kein normales Wirtschaften mehr, sondern führt zu einem reinen Überlebenskampf.“ Besonders alarmierend sei zudem, dass die Befragung noch vor Bekanntwerden der aktuellen Sparpläne der Bundesregierung durchgeführt worden ist. Die DKG fordert die Bundesregierung deshalb zu schnellem Handeln auf. „Die Politik muss endlich aufwachen. Wer jetzt nicht handelt, riskiert eine strukturelle Gefährdung der Krankenhausversorgung in Deutschland“, so Gaß.

Das Krankenhaus-Konjunkturbarometer wurde im April 2026 erstmals als repräsentative Befragung unter 185 Allgemeinkrankenhäusern ab 100 Betten durchgeführt. Es soll künftig regelmäßig als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung im Krankenhaussektor dienen.

Dieser Beitrag stammt aus dem KTM-Newsletter im Juni 2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!