Krankenhaus Gesthacht – wie geht es weiter?
/ KTM-Redaktion / Krankenhäuser
Das Krankenhaus Geesthacht wird zur Fachklinik. Das steht nun nach der Entscheidung des vorläufigen Gläubigerausschusses vom 18. Dezember 2025 fest. Mit der Entscheidung ist zugleich die strategische Neuausrichtung des Standorts verbunden. Das Krankenhaus Geesthacht wird schrittweise zu einer spezialisierten Fachklinik weiterentwickelt. Ziel ist ein medizinisch sinnvolles, dauerhaft tragfähiges Leistungsprofil, das den gesetzlichen Rahmenbedingungen ebenso Rechnung trägt wie der regionalen Versorgungslandschaft.
Geschäftsführer Captain Thomas Pötzsch: „Wir übernehmen Verantwortung für den Standort – auch dort, wo Entscheidungen schmerzhaft sind. Die Fortführung bestätigt unser Konzept, verlangt aber zugleich klare Konsequenzen. Unser Ziel ist es, Geesthacht so aufzustellen, dass der Betrieb dauerhaft gesichert werden kann.“
Das medizinische Konzept wurde im Vorfeld von unabhängigen Gutachtern bewertet. Diese kamen zu dem Ergebnis, dass für eine langfristige Tragfähigkeit weitere Einschränkungen des Leistungsangebots erforderlich wären. Vor diesem Hintergrund sieht das nun umzusetzende Konzept vor, zentrale medizinische Kernbereiche zu erhalten und gezielt weiterzuentwickeln.
Die Planung und Entwicklung des medizinischen Konzepts verantwortete maßgeblich auch Prof. Dr. Lars Timm, designierter Geschäftsführer zum 1. Januar 2026. „Wir entwickeln Geesthacht zu einer modernen Fachklinik weiter, die medizinisch sinnvoll, wirtschaftlich tragfähig und auf die Bedürfnisse der Region abgestimmt ist. Wir sind mit unserem Konzept voll auf Linie der Krankenhausreform.“ Sie verlange von Häusern dieser Größe und Lage eine klare Fokussierung auf ihre Kernkompetenzen. „Mit unserer Planung denken wir die verlässliche Versorgung im ländlichen Raum entsprechend voraus.“ Auch praktisch habe man die Versorgungssicherheit im Blick: „Keinesfalls soll eine Versorgungslücke entstehen. Dafür sprechen wir auch mit umliegenden Trägern und den politischen Verantwortlichen“, so Timm.
Der Generalhandlungsbevollmächtigte Thomas Mulansky wertet die Entscheidung als wichtigen Meilenstein. „Die Situation ist damit nicht vollständig entschärft, aber der Standort hat nun ein Konzept mit greifbaren Perspektiven. Wenn Plan- und Liquiditätsziele eingehalten werden, kann das Verfahren im April aufgehoben werden. Das bietet auch für die Mitarbeitenden einen weiteren Vorteil: Eine Übertragung auf einen anderen Träger ohne nachhaltiges Medizinkonzept würde sich gegebenenfalls noch über Monate ziehen und deutlich mehr Unsicherheit erzeugen.“
Hintergrund und nächste Schritte
Das Konzept sieht vor, das medizinische Angebot gezielt zu fokussieren und mit ambulanten und stationären Leistungen zu einem wirtschaftlich tragfähigen Fachklinikmodell zu verbinden. Langfristig sollen die Bereiche Geriatrie, Innere Medizin mit Akutversorgungsfunktion, Psychiatrie und ambulante Operationen weiterentwickelt werden. Damit trägt das Konzept auch dem Trend zur Ambulantisierung Rechnung.
Ergänzend zur stationären Neuausrichtung bleibt die medizinische Versorgung in Geesthacht auch künftig breit angebunden. Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) des Krankenhauses steht weiterhin als ambulante Versorgungsstruktur zur Verfügung und kann auch in akuten Fällen eine erste medizinische Anlaufstelle bieten.
Zugleich bleibe die Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Gastroenterologie rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr geöffnet, hieß es. Diese Abteilung sei weiterhin notfallfähig und soll auch künftig vom Rettungsdienst angefahren werden können.
Darüber hinaus wird das Krankenhaus Geesthacht künftig Teil einer regionalen Versorgungsstruktur mit spezialisierten Leistungserbringern sein. Ziel ist ein vernetztes Modell, in dem Krankenhäuser und Fachanbieter ihre jeweiligen Stärken bündeln und Leistungen arbeitsteilig erbringen. Dieses Vorgehen entspreche ausdrücklich den Zielsetzungen der Krankenhausstrukturreform, die auf Spezialisierung, Qualitätssicherung und regionale Kooperation setze, hieß es.
Die wirtschaftliche Lage und Ausrichtung entlang der Vorgaben der Krankenhausstrukturreform bedeute jedoch auch, dass zentrale Bereiche nicht fortgeführt werden könnten, da diese nach den Vorgaben für Leistungsgruppen sowie der wirtschaftlichen Lage des Krankenhauses Geesthacht langfristig nicht finanzierbar seien. Die erforderlichen Maßnahmen, konkret die Regionalisierung der zentralen Notaufnahme und die Stilllegung der Intensivstation, der Gynäkologie und Geburtshilfe sowie der allgemeinen und Unfallchirurgie, sollen bis zum 31. März 2025 erfolgen.
Auswirkungen auf die Belegschaft
Die geplanten Stilllegungen werden laut der Verantwortlichen voraussichtlich rund 250 Mitarbeitende betreffen. Um den Betrieb bis zum Stichtag aufrechtzuerhalten und einen geordneten Übergang zu ermöglichen, hat die Geschäftsführung Halteprämien beschlossen, die ab Januar ausgezahlt werden sollen. Zusätzlich erhalten alle Mitarbeitenden eine anteilige Jahressonderzahlung in Höhe von 500 Euro.
Timm: „Die Liquidität bleibt angespannt. Der Erfolg der nächsten Monate hängt entscheidend davon ab, dass der Betrieb stabil bleibt. Dafür schaffen wir klare Rahmenbedingungen, transparente Kommunikation und gezielte Anreize, um diese Phase gemeinsam zu bewältigen.“
Alle Ausbildungsverhältnisse am Krankenhaus sollen fortgesetzt werden und die Ausbildung am Krankenhaus Geesthacht werde auch über den 31. März 2025 hinaus möglich sein. Dies stelle eine Kooperation mit dem Krankenhaus Reinbek sowie dem AWO-Bildungscampus sicher, hieß es.
Dieser Beitrag stammt aus dem KTM-Newsletter 01/2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!