Leipziger Uniklinikum setzt auf eigene KI
/ KTM-Redaktion / Künstliche Intelligenz
Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in Krankenhäuser. Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) geht nun einen wichtigen Schritt auf diesem Weg: Mit dem neuen System UKL-GPT bringt das Klinikum eine hausinterne KI-Plattform an den Start, die datenschutzkonform und sicher vollständig im eigenen Rechenzentrum betrieben wird. Das neue, hausinterne KI-Assistenzsystem unterstützt Mitarbeiter im klinischen und administrativen Alltag und entspricht höchsten Datenschutzstandards. Als Company-GPT wurde es speziell für die Anforderungen eines Universitätsklinikums entwickelt und kann auch mit sensiblen Informationen wie Patientendaten oder Unternehmensinterna arbeiten.
„Wir wollten die Vorteile moderner generativer KI nutzen, ohne Kompromisse beim Datenschutz einzugehen“, so Dr. Robert Jacob, Kaufmännischer Vorstand des UKL, zu den Voraussetzungen für die Entscheidung. „Viele Krankenhäuser nutzen KI bereits, aber bisher nur punktuell, etwa für die medizinische Entscheidungsunterstützung in der Radiologie. Mit UKL-GPT etablieren wir ein breit verfügbares, internes Assistenzsystem für alle Berufsgruppen – etwas, das es so bisher erst an ganz wenigen Orten gibt“, so Jacob.
Digitaler Wissensassistent für über 8.000 Dokumente
Kernfunktion von UKL-GPT ist eine intelligente Suche in rund 8.700 internen Dokumenten aus dem Dokumentenlenkungssystem roXtra – darunter Leitlinien, SOPs (Standard Operating Procedures bzw. Standardarbeitsanweisungen) und Verwaltungsunterlagen. Mitarbeiter erhalten so schneller Zugriff auf relevantes internes Wissen und Festlegungen. Hinzu kommt als zweiter Baustein ein KI-gestützter Textassistent (Chatbot), der bei der Erstellung von E-Mails, Berichten oder Zusammenfassungen hilft. UKL-GPT verarbeitet dabei bis zu 140 Sprachen und hilft damit auch bei der Einbindung internationaler Kollegen.
Perspektivisch soll das System zu einer zentralen Wissens- und Assistenzplattform am UKL ausgebaut werden. Geplant ist, die KI-Plattform kontinuierlich weiterzuentwickeln und neue Anwendungsfelder zu erschließen. Aktuell setzt das KI-Team weitere konkrete Anwendungen um, z. B. zur Unterstützung der Patienten-Anamnese oder zur automatisierten Erstellung von Anträgen. Zudem werden schrittweise weitere interne Systeme wie SharePoint, Netzlaufwerke oder auch das gesamte digitale Patienten-Archiv mit über 20 Millionen medizinischen Dokumenten angebunden. Im Endeffekt soll UKL-GPT so zur digitalen Schnittstelle zwischen den derzeit noch vielfältigen Dokumentenverwaltungen und Informationssystemen und somit auch zwischen Verwaltung und klinischen Prozessen werden.
Die Idee zu UKL-GPT entstand 2024 im Rahmen eines klinikinternen Datathons, bei dem an zwei Tagen kleine interdisziplinäre Teams Pilot-Lösungen für aktuelle datenbezogene Herausforderungen entwickelt haben.