Pflegepersonen mit Laptop und Tablet
©Mark Adams - stock.adobe.com

Mehr Digitalisierung in der Pflege gefordert

/ KTM-Redaktion / Gesundheitspolitik

Die demografische Entwicklung und der Personalmangel stellen die pflegerische Versorgung in Deutschland vor große Herausforderungen, so das Bündnis Digitalisierung in der Pflege. Um die Versorgungssicherheit langfristig zu garantieren, ist laut dem Bündnis ein Durchbruch bei der nutzenstiftenden Digitalisierung der Strukturen und Prozesse erforderlich. Die angeschlossenen Verbände fordern, die hierfür nötigen Rahmenbedingungen im Zuge der anstehenden Pflegereform zu schaffen.

Zu wenig, zu spät, zu unverbindlich

Zwar begrüßt das Bündnis, dass die Bund-Länder-Arbeitsgruppe ,Zukunftspakt Pflege‘ in ihrem Ergebnispapier vom Dezember 2025 die Digitalisierung als Querschnittsthema verankert hat, findet allerdings, dass die dort genannten Maßnahmen nicht ausreichen und zu unverbindlich bleiben. Wie das Verbändebündnis ausführt, wurden aus der ,Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und die Pflege‘ des Bundesgesundheitsministeriums (2023) viele Punkte nicht fristgemäß umgesetzt.

Vor diesem Hintergrund werden von der Verbindung insbesondere folgende neue Rahmenbedingungen gefordert:

  • Ganzheitliche Digitalisierungsstrategie: Gefragt ist ein verbindlicher, nationaler Strategieplan Pflege-Digitalisierung, damit Einrichtungen und Dienste die Digitalisierung vorantreiben und Organisationsprozesse anpassen können. Dieser Plan muss klare Standards setzen, Zuständigkeiten klären, Prozesse koordinieren und zeitnah messbare Fortschritte sicherstellen. Dabei sind die relevanten Akteurinnen und Akteure der Pflege einzubeziehen.
  • Verlässliche (Re-)Finanzierung: Größter Hemmschuh für digitale Lösungen in der Pflege ist die oft ungeklärte (Re-)Finanzierung. Investitionen, Betriebskosten, Cybersicherheit, IT-Ressourcen und personelle Aufwendungen müssen in den Vergütungen verlässlich abgebildet und refinanziert werden. Dafür sind frühestmöglich geeignete Regelungen und Modelle einzuführen - zum Beispiel eine verlässliche Digitalisierungspauschale sowie Personalschlüssel für Digitalisierungspersonal. Effizienzgewinne durch Digitalisierung müssen in den Einrichtungen verbleiben, um Innovationen dauerhaft abzusichern und stabile Strukturen zu schaffen.
  • Stärkung der Pflegeinformatik: Pflegerische Routinedaten müssen strukturiert, interoperabel und sektorenübergreifend erfasst, bearbeitet und weitergeleitet werden. Das Bündnis fordert daher eine eigene Pflegeinformatik-Initiative, um die Integration pflegespezifischer Daten in nationale und europäische Standards evident und qualitativ zu ermöglichen.

Die Forderung der Verbände ist, die Pflegeinformatik insgesamt systematisch stärker zu thematisieren und zu etablieren. Die Verbände weisen darauf hin, dass im Kontext der aktuellen und anstehenden Digitalisierungsmaßnahmen in der Pflege – von ePA über KI bis hin zu interoperablen Plattformen – immer deutlicher wird, dass in den Einrichtungen tätiges Personal zur fachfremden Materie geschult werden muss. Dieser Schulungsbedarf wird zunehmend zu einem strukturellen Hemmnis für die Umsetzung politischer und technologischer Vorhaben, so das Bündnis. Deshalb wäre es sinnvoll, Pflegeinformatik klar als eigenständige Kompetenzdimension zwischen Pflegepraxis, IT und Organisation zu positionieren und auch politisch entsprechend zu adressieren, schlagen die Verbände vor.

  • Neue Technologien mitdenken: Strategisch zu antizipieren sind die Chancen neuer digitaler Technologien für das Pflegesystem. Insbesondere braucht es geeignete Rahmenbedingungen, um Künstliche Intelligenz nutzenstiftend, ethisch vertretbar und verantwortungsvoll einzusetzen – beispielsweise um Bürokratie abzubauen und Menschen mit Pflegebedarf zu unterstützen.

Das Bündnis Digitalisierung in der Pflege wird getragen von:

  • Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg e. V.)
  • Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e. V.
  • Care for Innovation – Innovation pflegen (CFI e. V.)
  • Deutscher Evangelischer Verband für Altenarbeit und Pflege e. V. (DEVAP)
  • Deutscher Pflegerat e. V. (DPR)
  • Fachverband Informationstechnologie in Sozialwirtschaft und Sozialverwaltung (FINSOZ e. V.)
  • Verband für Digitalisierung in der Sozialwirtschaft e. V. (vediso)
  • Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland e. V. (VdDD)
  • Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland e. V. (VKAD)

Anmeldung zum KTM-Newsletter - 1 x monatlich kostenlos ins Postfach: Aktuelle Nachrichten über Entwicklungen im Gesundheitswesen, der Gesundheitspolitik, dem Krankenhaus- und Pflege-Management, innovative Technologien, neuste Forschungsergebnisse…