v.l.: Tareq Juratli, Andriy Chmyrov, Oliver Bruns und Partner.
v.l.: Tareq Juratli, Andriy Chmyrov, Oliver Bruns und Partner. ©PoQus

Millionenförderung für Quantumsensoren-Entwicklung

/ KTM-Redaktion /

Die Chirurgie nutzt zunehmend optische Messverfahren, um Gewebe in Echtzeit zu analysieren. Diese Technologie ist besonders für die Überwachung während der Entfernung von Tumoren wichtig, da sie hilft, verbliebene bösartige Zellen zu erkennen. Diese innovativen Verfahren sollen künftig auch die Therapien für Patienten verbessern. Forschende aus Dresden werden hierfür mit dem auf Quantentechnologie spezialisierten Unternehmen Single Quantum aus den Niederlanden und dem französischen Beratungsunternehmen für Kryotechnik, Absolut System SAS, zusammenarbeiten. Sie wollen Sensoren, die bislang nur im Quantencomputing und der Quantenkommunikation zum Einsatz kommen, in den OP-Saal bringen. Ein EU-Grant über fünf Millionen Euro mit einer Laufzeit von vier Jahren unterstützt das Konsortium bei der Entwicklung und Implementierung dieser Technologie.

Mit Hilfe eines Quantensensors auf Basis supraleitender Nanodraht-Einzelphotonendetektoren (SNSPDs), der in ein zeitaufgelöstes Fluoreszenzmikroskop integriert ist, wollen sie die Präzision und Vollständigkeit von Krebsoperationen in der Neurochirurgie verbessern. Kurz: unglaublich empfindliche Sensortechnologie, die aktuell Standard in der Quanteninformationstechnologie ist, soll so weiterentwickelt werden, dass sie in Operationssälen eingesetzt werden kann. Ziel ist es, Tumore so vollständig wie möglich bei gleichzeitiger Schonung des umliegenden Gewebes zu entfernen.

Auf deutscher Seite leiten drei ausgewiesene Experten für Bildgebung und Neurochirurgie das Forschungsprojekt „PoQus“. Prof. Oliver Bruns, Biochemiker und Leiter der Abteilung für funktionelle Bildgebung am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden und am DKFZ (Standort Dresden), Dr. Andriy Chmyrov, angewandter Mathematiker, ebenfalls NCT/UCC Dresden, und Prof. Tareq Juratli, stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Dresden (UKD) und Leiter des Neuroonkologischen Zentrums am NCT/UCC.

„Der Einsatz dieser neuen Technologie kann sowohl unserer Forschung in der Bildgebung als auch der Forschung in der Neurochirurgie völlig neue Möglichkeiten eröffnen“, sind Bruns und Juratli überzeugt. „Die Integration von Quantensensoren in die Neurochirurgie verspricht, Tumoroperationen durch hochpräzise Echtzeit-Bildgebung revolutionär zu verbessern“, so Bruns. Juratli ergänzte: „Diese Technologie ermöglicht es, bösartige Zellen sicherer zu erkennen und gesundes Gewebe zu schonen, was direkte Vorteile für die Patientenversorgung bringt“. Die enge Kooperation zwischen Wissenschaft und klinischer Anwendung im Rahmen vom NCT/UCC Dresden und UKD ist in ihren Augen ein großer Gewinn.

Durch die spezialisierten Unternehmen stehen ihnen Partner zur Seite, die große Expertise sowohl in der Quantentechnologie als auch in Kryotechnologie für supraleitende Systeme haben. Zusammen hat das Konsortium eine ideale Ausgangsposition für die Vorbereitung und Platzierung von neuartigen Produkten am Markt.

Die Bildgebung in Echtzeit muss genauer werden und gleichzeitig in tiefere Gewebeschichten vordringen können. Hier bietet sich die Kombination von zwei bestehenden Verfahren an: Auf der einen Seite die sogenannte Fluoreszenz-Lebensdauer-Imaging-Mikroskopie, die Einblicke in das Mikromilieu von Tumoren ermöglicht und daher immer häufiger in der Krebsforschung eingesetzt wird. Sie erlaubt über die Lebensdauer angeregter fluoreszierender Moleküle Tumorgewebe von gesundem Gewebe zu unterscheiden. Auf der anderen Seite supraleitende Nanodraht-Einzelphotonendetektoren (SNSPDs) für eine höhere Zeitauflösung und größere Eindringtiefe. SNSPDs müssen jedoch stark gekühlt werden. Die bisherigen Systeme sind so sperrig, dass sie für den klinischen Einsatz ungeeignet sind.

„Auf Grundlage der SNSDPs wollen wir einen tragbaren Quantensensor entwickeln, der in ein zeitaufgelöstes Fluoreszenzmikroskop für den Einsatz in Operationssälen integriert ist. Der Prototyp wird ein kompaktes kryogenes System zur Kühlung, optimierte Detektoren mit höchster Effizienz und Geschwindigkeit sowie Software für die Bildanalyse umfassen“, skizziert Bruns die Planung.

Die EU fördert Forschung und Innovation insbesondere im Rahmen des Programms „Horizon Europe“. „PoQus“ läuft dabei unter der Förderlinie „Globale Herausforderungen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas“ im Cluster IV Technologieförderung / Innovationstechnik, in dem ausschließlich Verbundvorhaben finanziert werden. „PoQus“ erhält insgesamt eine Förderung von 4.986.529 Millionen Euro, davon gehen knapp 1,1 Millionen Euro an die Medizinische Fakultät der TU Dresden und etwa 1,2 Millionen Euro an das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). Über die vom DKFZ finanzierte Professur von Bruns an der Medizinischen Fakultät der TUD kommt auch dieses Geld dem Standort Dresden zugute.

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