Neue Studie warnt vor Folgen von PFAS-Beschränkung
/ KTM-Redaktion / Studie
Eine neue wissenschaftliche Auswertung stellt zentrale Annahmen zur Entsorgung von Fluorpolymeren im laufenden EU-Verfahren zur Beschränkung von Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) infrage. Demnach erreichen moderne Verbrennungsanlagen unter realen Betriebsbedingungen Zerstörungs- und Mineralisierungsraten von 99,7 bis über 99,9999 Prozent. Zugleich könnten die im Hintergrunddokument der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) zugrunde gelegten Emissionsannahmen deutlich überschätzt sein. Der Branchenverband Spectaris fordert deshalb eine eigenständige wissenschaftliche Bewertung von Fluorpolymeren und ihre Ausnahme als eigene Stoffuntergruppe von einer pauschalen PFAS-Beschränkung.

Grafik mit KI erstellt
Der neue Meta-Report ‚Scientific Report on Fluoropolymers End-of-Life 2026‘ wurde von der Toxikologin und PFAS-Expertin Dr. Barbara J. Henry erstellt. Die Auswertung untersucht wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entsorgung von Fluorpolymeren und kommt zu dem Ergebnis, dass diese innerhalb der großen Stoffgruppe der PFAS aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften gesondert betrachtet werden sollten.
Fluorpolymere werden unter anderem in medizinischen Geräten, in optischen Komponenten, in Labor- und Analysegeräten, der Halbleiterfertigung sowie in der Energie- und Kommunikationstechnik eingesetzt. Für viele dieser Anwendungen gibt es bislang keine gleichwertigen Ersatzstoffe, die sich mit der Einzigartigkeit von Fluor im Periodensystem erklären. Die Veröffentlichung fällt in eine entscheidende Phase des Verfahrens: Die ECHA wertet derzeit mehr als 3.200 Stellungnahmen zum Entwurf der Stellungnahme ihres Ausschusses für sozioökonomische Analyse (SEAC) aus. Die finale SEAC-Stellungnahme wird bis Ende 2026 erwartet.
„Fluorpolymere sind für zahlreiche Anwendungen in Medizin, Forschung und Industrie von zentraler Bedeutung. Eine pauschale PFAS-Beschränkung darf Stoffe mit nachweislich unterschiedlichem Risikoprofil nicht gleichsetzen. Die neuen Erkenntnisse zeigen, dass zentrale Annahmen zu Entsorgung und Emissionen überprüft werden müssen“, so Jörg Mayer, Geschäftsführer von Spectaris. „Letztlich definieren Stoffeigenschaften und Emissionen das Risiko. Wenn also Fluorpolymere kein unannehmbares Risiko darstellen, dürfen sie nicht beschränkt werden. Auch ein Substitutionsgebot entfällt nach dieser Logik.“
Hohe Zerstörungsraten in modernen Verbrennungsanlagen
Die im Report ausgewerteten Studien der vergangenen 20 Jahre zeigen, dass moderne, EU-konforme Verbrennungsanlagen Fluorpolymere unter kontrollierten Bedingungen nahezu vollständig abbauen können. Maßgeblich sind insbesondere Temperatur, Sauerstoffgehalt, Verweilzeit und kontrollierte Luftführung. Die ermittelten Werte liegen deutlich über den Zerstörungsraten von 98 beziehungsweise 99 Prozent, die der Risikobewertung im PFAS-Beschränkungsverfahren zugrunde liegen. „Moderne, EU-normgerechte Verbrennungsanlagen zerstören Fluorpolymere unter realen Bedingungen nahezu vollständig. Das muss bei der Bewertung ihres End-of-Life-Risikos berücksichtigt werden.“, so Henry.
Nach Analyse der verfügbaren Daten könnten die im ECHA-Hintergrunddokument angenommenen Emissionen in die Luft um bis zum Faktor 10.000 und in Wasser sowie Deponiesickerwasser um etwa den Faktor 33,6 überschätzt sein. Der Report empfiehlt daher, die zugrunde liegenden Risikobewertungen zu überprüfen.
Der Branchenverband plädiert deshalb für eine eigenständige wissenschaftliche Bewertung von Fluorpolymeren und ihre Ausnahme von einer pauschalen PFAS-Beschränkung. „PFAS sind keine homogene Stoffgruppe mit identischen Eigenschaften und Risiken. Fluorpolymere ermöglichen Anwendungen, die für Patientenversorgung, Forschung und Schlüsselindustrien relevant sind. Ihre Regulierung muss auf belastbaren Daten zu ihren tatsächlichen Eigenschaften, Anwendungen und Emissionen beruhen“, so Mayer.
Dieser Beitrag stammt aus dem KTM-Newsletter im September 2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!