Modell einer menschlichen Niere in rot und gelb auf einem Tisch, im Hintergrund ein Arzt, der auf einen Computerbildschirm mit medizinischen Bildern schaut.
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Nierenerkrankungen personalisiert behandeln

/ KTM-Redaktion / Forschung

Im multidisziplinären und sektorübergreifenden Projekt ‚Personalise-Dkd‘ (Personalised SGLT2i treatment in diabetic kidney disease supported by multiparametric renal magnetic resonance imaging) erforschen sieben Partner aus sechs Ländern eine Methode unter Verwendung der sogenannten multiparametrischen Magnetresonanztomografie (mpMRT), die zuverlässig eine personalisierte medikamentöse Therapie von diabetischen Nierenerkrankungen ermöglichen soll. Das Projekt wird von der Europäischen Partnerschaft für personalisierte Medizin (EP PerMed) mit insgesamt 1,7 Millionen Euro gefördert. Davon fließen rund 300.000 Euro in ein Teilprojekt der Abteilung für Computerunterstützte Klinische Medizin der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg.

Chronische Nierenerkrankungen stellen eine zunehmende Bedrohung für die globale Gesundheit dar: Weltweit sterben jedes Jahr rund 1,2 Millionen Menschen aufgrund einer chronischen Nierenerkrankung. Eine der Hauptursachen ist die Zuckerkrankheit, Diabetes mellitus. Diabetiker haben insgesamt ein hohes Risiko, eine diabetische Nierenerkrankung (DKD) zu entwickeln. Das individuelle Risiko, der Verlauf und das Ansprechen auf Therapien sind jedoch von Patient zu Patient unterschiedlich.

Zu den Medikamenten, die das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung herauszögern können, zählen SGLT2-Inhibitoren (Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Inhibitoren). Sie haben sich als ,Mittel der ersten Wahl' bei diabetischen Nierenerkrankungen etabliert. Aber auch das Ansprechen auf die Therapie mit SGLT2-Inhibitoren ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Und die dem individuellen Ansprechen zugrundeliegenden Mechanismen sind bislang nicht vollständig verstanden.

Ziel des Projekts Personalised-Dkd ist es, frühzeitig die DKD-Patienten identifizieren zu können, die von einer Therapie mit SGLT2-Inhibitoren profitieren. Die Herausforderung besteht also darin, Biomarker ausfindig zu machen, die mit hoher Spezifität und Empfindlichkeit nachweisen können, ob ein Patient auf die Behandlung mit SGLT2-Inhibitoren anspricht und ob die Erkrankung fortschreitet oder stagniert.

Grundlage für das Projekt sind erste Ergebnisse eines der beteiligten Zentren, die dafürsprechen, dass die mpMRT geeignet ist, diese Nachweise zu erbringen. Die Methode kombiniert verschiedene Bildgebungssequenzen und ist damit in der Lage, neben der Anatomie eines Organs beispielsweise auch dessen Gewebedichte und Durchblutung abzubilden. Die mpMRT liefert also sehr detaillierte Informationen und hat offenbar auch das Potenzial, die Pathophysiologie der Niere abzubilden.

Die Projektpartner haben nun die Aufgabe, aufbauend auf den ersten positiven Ergebnissen des Zentrums eine valide, standardisierte Methode zu entwickeln, die anhand von MRT-Biomarkern frühzeitig erkennen lässt, ob ein DKD-Patient von einer Therapie mit SGLT2-Inhibitoren profitiert oder nicht.

Die Abteilung für Computerunterstützte Klinische Medizin des Mannheimer Instituts für intelligente Systeme in der Medizin (MIiSM) erforscht im Rahmen des Projekts unter anderem spezielle Biomarker, die in der mpMRT-Bildgebung präzise Informationen über den Zustand und die Funktion der Niere liefern und damit mögliche Effekte der Behandlung mit SGLT2-Inhibitoren nachweisen können. Darüber hinaus erforschen sie auch Methoden, mit denen die Datenauswertung der mpMRT Parameter automatisiert erfolgen kann.