Pflegekammer NRW startet Kampagne ‚#nichtdeinjob‘
/ KTM-Redaktion / Pflege
Eine Pflegefachfrau blickt selbstbewusst in die Kamera und zerbricht symbolisch einen Besen. Darüber steht der Satz: „Ich bin keine Fegefachperson“. Dieses Bild ist das zentrale Motiv der neuen Kampagne #nichtdeinjob der Pflegekammer NRW. Die Kampagnenmotive sollen überspitzt zeigen, mit welchen fachfremden Aufgaben Pflegefachpersonen im Alltag konfrontiert sind – Putzen, Essen bringen, Betten machen oder Patienten transportieren. Fast jede zweite Pflegefachperson in NRW berichtet laut der Kammer, dass solche zusätzlichen Aufgaben mittlerweile zu ihrem Alltag gehören.
Diese Verschiebung von Aufgaben hänge mit dem 2020 eingeführten Pflegebudget zusammen, das die Versorgung direkt am Bett sicherstellen soll. Stattdessen würden die finanziellen Mittel durch die Kliniken missbraucht, um an anderer Stelle Geld für Service- und Hilfspersonal zu sparen. Im Ergebnis müssten Pflegefachpersonen diese Hilfstätigkeiten mit auffangen, indem sie die Pforte besetzen, Nachtschränke putzen und Essensbestellungen aufnehmen würden. Deshalb würden sie in den Kampagnenmotiven zu Türstehern, Putzkräften und Kellnern im Kasack.
„Dieser Missbrauch der Pflege und des Pflegebudgets muss beendet werden“, so Kammerpräsidentin Sandra Postel. „Pflegefachpersonen dürfen nicht als Allzweckkräfte eingesetzt werden. Auf Grundlage unserer Berufsordnung können und sollen sich Pflegefachpersonen gegen fachfremde Tätigkeiten wehren – und wir unterstützen sie dabei.“
Die Folgen sind laut der Pflegekammer gravierend: Pflegefachpersonen hätten weniger Zeit für Patienten, fühlten sich überlastet und würden immer häufiger an einen Ausstieg denken. Die Kampagne ‚#nichtdeinjob‘ mache diesen Missstand sichtbar und informiere parallel multimedial darüber, wie Pflegefachpersonen fachfremde Tätigkeiten erkennen, dokumentieren und vertraulich bei der Pflegekammer NRW melden könnten.
Konkrete Erfolge
Die Aufklärungsarbeit zeige bereits Wirkung, so die Kammer: Im Maßregelvollzug in NRW würden Pflegefachpersonen künftig nicht mehr für rein sicherheitsbezogene Transporte psychisch erkrankter Straftäter eingesetzt. Nach monatelanger Kritik an einem Erlass des Justizministeriums NRW stellt das Land nun zusätzliche Ressourcen bereit.
Um die Kampagne bekannter zu machen, veranstaltet die Pflegekammer in den nächsten Monaten mehrere digitale Infoveranstaltungen. Dort sollen Hintergründe erklärt, Fragen beantwortet und praxisnah gezeigt werden, wie die Kammer unterstützen kann. Die ersten Termine: 16. Juni 2026, 14:00-15:30 Uhr und 9. Juli 2026, 14:00-15:30 Uhr. Weitere Informationen und Zugangsdaten gibt es hier.
Dieser Beitrag stammt aus dem KTM-Newsletter im Juni 2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!