Anästhesistin am Bildschirm im Operationssaal
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Praxistipp: Skill- und Grade-Mix im OP

/ Thomas Wytrieckus / Praxis-Tipp

Ein Beitrag von Thomas Wytrieckus, OP-Manager der Maria Hilf Kliniken GmbH.

Skill- und Grade Mix in den Funktionsbereichen des OP waren in der Vergangenheit nie ein Thema. Jeder macht alles – von der Patientenschleuse über die patienten- und operationsnahen Tätigkeiten, fachspezifische Aufgaben, das Bestellen (und wegräumen) von Verbrauchsware bis zum Reinigen des Saals. Heute sind die Begriffe angesichts des Personalmangels omnipräsent. Viele Artikel verweisen auf die Möglichkeiten der Multiprofessionalität und des Qualifikations- bzw. Fähigkeitsaufbaus.

Der Skill-Mix beschreibt die Kombination von Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen eines Teams oder einer Arbeitsgruppe, um komplexe Aufgaben in verschiedenen Tätigkeitsbereichen bewältigen zu können. Der Skill-Mix beruht darauf, dass verschiedene Wissensgrade, Fähigkeiten sowie Kompetenzen in einem definierten Personenkreis vorhanden sind.

Der Grade Mix bezieht sich auf den primären Berufsabschluss. Lange wurde der OP von Mitarbeitenden aus den Pflegeberufen dominiert. Inzwischen sind die Operationstechnischen Assistenten (OTA) in den Funktionsdiensten im OP weit verbreitet – mit stark steigender Tendenz. Bei den Anästhesietechnischen Assistenten (ATA) beginnt in vielen Kliniken eine stärkere Integration. Viele OP-Bereiche verzeichnen bereits eine hohe Durchdringung bei den technischen Primärqualifikationen.

Der Skill-Mix ist von großer Bedeutung, da Wissen, Fähigkeiten und Kenntnisse im Arbeitsumfeld des OP möglichst zielgerichtet und effektiv an die Mitarbeiter weitergegeben werden müssen. In den letzten Jahren haben sich viele OP-Bereiche darauf fokussiert, Qualifikationen im ‚Gießkannenprinzip‘ breit aufgestellt umzusetzen. Eine breite Basis bedeutet jedoch auch, dass die Zielerreichung bei vielen Personen länger dauern kann, ebenso wie der Qualifikationsaufbau bei Teilzeitkräften.

Ein zielgerichteter Aufbau lohnt sich in jedem Fall. Es stehen einige Modelle zur Auswahl. Die Bedeutendsten sind folgende:

  • Das Kompetenzstufenmodell nach P. Benner, welches in den USA seit längerem etabliert ist und in Deutschland Eingang in die Kompetenzgewinnung für die Pflege gefunden hat. Fähigkeiten und Kenntnisse für die Funktionsdienste OP und Anästhesie können damit sehr gut abgebildet werden.
  • Der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) ist ähnlich aufgebaut und umfasst insgesamt acht Stufen, die sehr differenziert aufgebaut werden können.

Beide Modelle eignen sich sehr gut, um einen strukturierten Qualifikationsaufbau umzusetzen. Dieser trägt dazu bei, eine höhere Professionalität sowie eine Wertschätzung in der täglichen Tätigkeit am Patienten zu bekommen.

Weitere Informationen finden sie im Buch OP-Management Grundlagen, 6., neu bearbeitete und erweiterte Auflage.

Tipp: Die Vermittlung und der Ausbau von Kompetenzen und Fähigkeiten erfordert Zeit. Ein kontinuierliches Qualifikationsmanagement erzielt eine hohe Wertschöpfung im OP und steht für einen zukunftsfähige Organisation. Erfolge werden sich nicht innerhalb weniger Wochen zeigen – Geduld wird belohnt. Also dranbleiben, gut kommunizieren und wertschätzend weiterführen.

Dieser Beitrag stammt aus dem KTM-Newsletter April 2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!