Reform trifft auf Ruf nach integrierter Versorgung
/ Michael Ey / Gastkommentar
Ein Gastkommentar von Michael Ey, Global Health Services Leader bei PwC Deutschland
Die Vorschläge von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zur Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung sehen Vergütungsdeckel, steigende Zuzahlungen sowie Einschnitte im Leistungskatalog vor. Der politische Impuls ist klar: Die Ausgaben sollen sinken, bevor die Lücke weiterwächst. Das PwC Healthcare-Barometer 2026 zeigt derweil, dass 87 Prozent der Befragten in einer integrierten Versorgung den wirksamsten Hebel sehen, um das System wieder leistungsfähig und bezahlbar zu machen. Zugleich verorten nur noch 50 Prozent Deutschland unter den weltweiten Top drei der Gesundheitssysteme – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung 2014. Die Analyse zeigt auch: Gesundheitspolitik wird für die Bürger immer wichtiger und somit auch potenziell wahlentscheidend.
Deshalb gilt umso mehr: Der politische Fokus auf die Finanzen ist nachvollziehbar. Eine Kostenbremse kann Zeit kaufen, dauerhaft reicht sie allein jedoch nicht aus. Die Bevölkerung wird älter, das System muss mehr chronische Erkrankungen versorgen und zugleich Fachkräfte halten. Es braucht daher eine Systemarchitektur, die ganzheitlich aufgebaut ist und nicht nur den Patienten, sondern den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Sektorenübergreifende Versorgungsmodelle müssen Behandlungs- und Präventionspfade über ambulante und stationäre Versorgung, Reha sowie Pflege hinweg steuern. Die Vergütung folgt dabei idealerweise der Ergebnisqualität, ganz im Sinne einer ,Value-Based Healthcare'. Interoperable Datenplattformen auf Basis der elektronischen Patientenakte (ePA) können Leistungserbringern dabei im Alltag helfen, statt ihnen zusätzliche Dokumentationslast aufzubürden. Politik, die jetzt spart, sollte zugleich die Leitplanken für integrierte Versorgung, ergebnisorientierte Vergütung und digitale Interoperabilität setzen – damit aus dem Zeitgewinn eine echte Transformation des Gesundheitswesens wird.
Dieser Beitrag stammt aus dem KTM-Newsletter im Juni 2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!