Ärztin am Laptop
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Schneller Zugang zu infektiologischer Expertise

/ KTM-Redaktion / Telemedizin

Ein Gastbeitrag von Prof. Christian Dohna-Schwake, Leitender Oberarzt Pädiatrische Intensivmedizin und Pädiatrische Infektiologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Essen  

Antibiotikaresistenzen, vor allem ausgelöst durch den unsachgemäßen Antibiotika-Gebrauch, zählen weltweit zu den größten Herausforderungen der Medizin. Antibiotika können zudem ernstzunehmende Nebenwirkungen haben. Entsprechend zurückhaltend und sorgfältig sollte ihr Einsatz erfolgen. Das gilt ganz besonders in der Pädiatrie. Hier ist eine gezielte Antibiotikatherapie wichtig, um Nebenwirkungen zu vermeiden und potenzielle langfristige Auswirkungen auf das Mikrobiom zu minimieren, das bei Kindern noch besonders empfindlich ist.

Um behandelnde Kinderärzte in kleineren Kliniken bei komplexen infektiologischen Fragestellungen zu unterstützen, haben die Universitätskliniken München, Halle, Essen und Homburg an der Saar gemeinsam das telemedizinische Kompetenznetzwerk ‚Tele-Kasper‘ aufgebaut. Der Name steht für TELEmedizinisches Kompetenznetzwerk Antibiotic Stewardship in PEdiatRics. Die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) empfohlene Überführung in die Regelversorgung soll das Angebot nun in die Fläche bringen.

Konkret soll die Verabreichung von Antibiotika weiter reduziert und optimiert werden. Die individuelle Therapie soll im Hinblick auf Auswahl und Dosierung der zu verabreichenden Substanz verbessert werden. Dazu steht den teilnehmenden Kliniken ein umfangreicher telemedizinischer Konsiliardienst über eine App zur Verfügung. Ärzte können konkrete Fallanfragen stellen. Daneben gibt es ein Nachschlagewerk mit Informationen zu Erkrankungen und Therapien. Im Netzwerk werden zudem Verbrauchsanalysen und Resistenzstatistiken zur Verfügung gestellt. Das sorgt für mehr Sicherheit bei schwierigen Fällen und entlastet die behandelnden Teams.

Das Netzwerk ‚Tele-Kasper‘ ist 2020 im Rahmen einer Studie an den Start gegangen. Aktuell besteht es aus einem interdisziplinären infektiologischen Expertenteam aus den genannten Universitätskliniken sowie 33 kooperierenden Kinderkliniken aus deren Umkreis. Die begleitende Evaluation zeigt über einen Zeitraum von sechs Jahren einen deutlichen Nutzen des Angebots: Insgesamt sank der Antibiotika-Verbrauch bei den teilnehmenden Kliniken um durchschnittlich sieben Prozent. In Einrichtungen mit hohem Ausgangsverbrauch reduzierte sich der Einsatz sogar um bis zu 20 Prozent.

Die Empfehlung des G-BA trägt maßgeblich dazu bei, dass Tele-Kasper künftig von deutlich mehr Kinderkliniken in Deutschland genutzt werden kann und auf diese Weise die Versorgungsqualität steigert sowie einen Beitrag zur Eindämmung von Antibiotikaresistenzen leistet. Mehr zum Projekt unter www.tele-kasper.de.