Virtuell ins Krankenhaus
/ KTM-Redaktion / Digitalisierung
In den Asklepios Kliniken Nord – Heidberg (Hamburg) und Langen (Hessen) sowie kooperierenden Pflegeeinrichtungen sind jetzt die ersten Patienten in virtuellen Krankenhausstationen (VirtualWard) behandelt worden. Die sogenannte VirtualWard (Vorbild ist ein Konzept aus Großbritannien) ist laut der Beteiligten bisher bundesweit einmalig und soll physisch stationäre Krankenhausaufenthalte von Bewohnern aus Pflegeeinrichtungen vermeiden. Gelingen soll das durch den gezielten Einsatz von Telemedizin – das Bett der Pflegeeinrichtung wird zum Krankenhausbett. Begleitet und durchgeführt wird das innovative Projekt von einem Konsortium aus der Asklepios Kliniken Gruppe, der AOK Rheinland/Hamburg, der Barmer, der Mobil Krankenkasse, der Techniker Krankenkasse, dem BKK Dachverband, dem Telemonitoring-Anbieter Doccla, der inav GmbH und weiteren Partnern. Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) stellt rund 2,7 Millionen Euro für die Errichtung der virtuellen Krankenhausstationen zur Verfügung.
Sektorenübergreifende Teams versorgen Patienten
Ziel der VirtualWards ist es, Bewohneren von Pflegeeinrichtungen, die einen stationären Versorgungsbedarf haben, nach der Erstversorgung in der Notaufnahme nicht physisch in der Klinik, sondern per Telemedizin in der gewohnten Umgebung ihrer Pflegeeinrichtung aufzunehmen und zu behandeln. Möglich wird die engmaschige Betreuung durch ein sektorenübergreifendes und multiprofessionelles Team in Klinik und Pflegeeinrichtung. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt wird wissenschaftlich durch das Institut für angewandte Versorgungsforschung (inav) begleitet und mittels einer Machbarkeitsstudie evaluiert.
Videovisiten und Telemonitoring
Das Projekt sei das Ergebnis zweijähriger intensiver Planungen, so Joachim Gemmel, CEO der Asklepios Kliniken. „Es zeigt, wie innovative Lösungen im Gesundheitswesen durch enge Kooperationen entstehen können, ohne auf zentrale Vorgaben angewiesen zu sein. Für das deutsche Gesundheitssystem ist dieser Ansatz neu“, so Gemmel weiter, „er deutet an, welches Potenzial in der sektorenübergreifenden Versorgung steckt. Besonders in Zeiten steigender Patientenzahlen und knapper Ressourcen im Gesundheitswesen.“
Asklepios CMO PD Dr. med. Sara Sheikhzadeh, die das Projekt bei Asklepios initiiert hat, hebt die Vorteile für Patienten hervor: „Das VirtualWard-Programm bringt stationäre Krankenhausversorgung direkt in die Pflegeeinrichtung. Patientinnen und Patienten erhalten damit Krankenhausbehandlungen auf klinischem Niveau, ohne das Krankenhaus dauerhaft betreten zu müssen. Regelmäßige Videovisiten und Telemonitoring sichern dabei die medizinische Qualität. Unser Ziel ist es, Versorgung dort anbieten zu können, wo sie auch wirklich gebraucht wird, und nicht dort, wo das Bett gerade frei ist.“
Die telemedizinische Behandlung durch Fachärzte und Pflegefachkräfte der Asklepios Kliniken im Rahmen des VirtualWard-Projekts umfasst dabei sämtliche Aspekte der stationären Versorgung im Krankenhaus, wie beispielsweise die regelmäßige Überwachung der Vitalparameter sowie mehrmals täglich stattfindende Video-Konsultationen. Hierdurch soll eine hochwertige medizinische Versorgung gewährleistet werden.
Besonders wichtig ist beiden Asklepios-Vorständen zu betonen, dass Gesundheitssystem und Patienten gleichermaßen von der neuen Versorgungsform profitieren.
Das Projekt wird wissenschaftlich durch das inav begleitet und evaluiert: „Eine fundierte Evaluation ist entscheidend, um belastbare Erkenntnisse über Machbarkeit, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit zu generieren – und damit die Grundlage für den Transfer in die Regelversorgung zu schaffen“, so das Evaluatorenteam. Perspektivisch, so die Einschätzung der beteiligten Partner, könnten bundesweit 800.000 Bewohner in Pflegeeinrichtungen von virtuellen Krankenhausstationen profitieren.
Hintergrund
Das Modell einer virtuellen Krankenhausstation ist abgeleitet aus gleichartigen Vorbildern im National Health Service (NHS) in Großbritannien sowie US-amerikanischen Versorgungsorganisationen. Hier haben sich „Virtual Ward“ beziehungsweise „Hospital at Home“ Konzepte bereits seit längerer Zeit und besonders während der Covid-19-Pandemie etabliert. Die Modelle haben gezeigt, dass Versorgungskosten im System hierdurch reduziert werden können, da durch die Verknüpfung der Sektoren Effizienzreserven gehoben werden können.
Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass die Versorgungsqualität mindestens gleichwertig ist und in bestimmen Aspekten sogar steigt, denn jeder vermiedene physische Krankenhausaufenthalt ist auch eine psychische Entlastung für die Pflegeeinrichtungsbewohner. Auch aus der Sicht der am Projekt beteiligten Pflegeeinrichtungen bieten sich Vorteile, da die Bewohner in ihrer vertrauten Umgebung verbleiben und auch eine engere gemeinsame Zusammenarbeit zwischen dem Pflegeteam im Heim und dem Team im Krankenhaus entsteht.
Dieser Beitrag stammt aus dem KTM-Newsletter 02/2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!