Bessere Notfallversorgung durch 5G

Durch ein neues Förderprogramm will die Bundesregierung die zügige und effiziente Einführung des 5G-Mobilfunks in Deutschland voranbringen. Der Ostalbkreis in Baden-Württemberg ist eine von über 60 Regionen deutschlandweit, die im Rahmen des 5G-Innovationswettbewerbs eine Förderung über 100.000 Euro vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) zur Erstellung eines Konzeptes erhalten haben. Das Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen stellte dafür seine Expertise zur Verfügung. Ende August wurde das fertige Konzept beim BMVI eingereicht. Bis Ende des Jahres wird über die ersten fünf 5G-Modellregionen entschieden, im Jahr 2021 sollen fünf weitere Regionen folgen.

Ein Projektteam bestehend aus Stefan Jenninger (Projektleiter Ostalbkreis), Dr. Caroline Grupp (Leiterin der Zentralen Notaufnahme auf Ostalb-Klinik), Marc Sachsenmaier und Ralf Nuding (beide DRK-Kreisverband Aalen) sowie Patrick Eder (Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen) hat in den vergangenen acht Monaten ein Konzept entwickelt, wie mithilfe des neuen Mobilfunkstandards 5G die notfallmedizinische Versorgung verbessert werden kann. Durch die Weiterentwicklung bestehender und die Entwicklung neuer digitaler Anwendung für den Rettungsdienst und die Notaufnahme sollen die Überlebens- und Heilungschancen der Patienten wesentlich erhöht werden. Für die dafür notwendige unterbrechungsfreie Datenübertragung sind die Leistungsmerkmale des neuen 5G-Standards notwendig.

Das Konzept umfasst technische und organisatorische Lösungen für alle Handlungsfelder der Rettungskette:

  • Mobile Ersthelfer-Alarmierung: Steigerung der Verfügbarkeit medizinischen Equipments (im Anwendungsfall „Defibrillatoren“) mit autonomen Rettungsdrohnen, Ersthelfer-App mit Anbindung eines digitalen Pflasters an das 5G-Smartphone für die Anleitung von Ersthelfern bei der Herzdruckmassage sowie Sensoren an öffentlichen Defibrillatoren
  • Integrierter Versorgungsnachweis: Echtzeit-Lenkung und Überwachung von Rettungsmitteln und Patientenströmen auf Basis von Livedaten aus der Rettungskette (Kapazitäten, Ressourcen) und des Verkehrs mit intelligenter Ampelschaltung
  • Telemedizinische Voranmeldung: Bidirektionale Echtzeitübertragung zwischen Rettungsdienst, Leitstelle und Krankenhaus (u. a. Vitaldaten, UHD-Videos und Ultraschallbilder) sowie Diagnostikunterstützung durch kollaborative KI-Roboter am Einsatzort (Ultraschall und Wärmebild) zur Vorbereitung der klinischen Diagnose und Therapie
  • Telemedizinische Notfallassistenz: Augmented Reality-Kommunikation mit einem Telenotarzt zur Delegation medizinischer Maßnahmen und Abfrage von Vorbefunden direkt am Einsatzort (z. B. Medikation, Vorerkrankungen)
  • Digitales Verlegungsmanagement: Intelligente Sprachdokumentation, Integration von Befunddaten in die Einsatzdokumentation, sektorenübergreifendes Qualitätsmanagement, Übernahme Verlegungsbericht, Audio-Videoverbindung zwischen Notfallsanitäter und Verlegungsarzt zur Steigerung der Ressourceneffizienz

Wesentliche Alleinstellungsmerkmale seien die regionenübergreifende Transferierbarkeit der Lösung in Verbindung mit einer ganzheitlichen Betrachtung der gesamten Rettungskette. Die „Rettungskette 5G" schaffe skalierbare Voraussetzungen zur Entwicklung Deutschlands zum Leitmarkt für digitale Notfallrettung, so das Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen.

Sofern das vorgelegte Konzept für eine Umsetzungsförderung in Höhe von 4 Mio. Euro ausgewählt wird, möchten die Projektpartner die Ideen in den folgenden drei Jahren unter Realbedingungen im Rettungsdienst und in der Notaufnahme des Ostalb-Klinikums erproben.

Unterstützt wird das Projekt Rettungskette 5G durch assoziierte Partner: DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige AG, Deutscher Rat für Wiederbelebung (GRC), Region Lebensretter e. V. sowie die Deutsche Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA). Folgende Technologiepartner sind an der technischen Realisierung des Projektes beteiligt: Convexis GmbH, ArtiMinds Robotics GmbH, medDV GmbH, E. Care BV, Visualix GmbH, pulsation IT GmbH, FirstAED GmbH, SYSTEM Strobel GmbH & Co. KG und die Telefónica Germany GmbH & Co. OHG.

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