Bessere Work-Life-Balance für Hamburger Pflegefachpersonen

©UKE/Axel Kirchhof

Wie lassen sich Freizeit und Beruf in der Pflege besser miteinander vereinbaren? Wie können Pflegefachpersonen mehr Verantwortung übernehmen und den eigenen Arbeitsablauf autark gestalten? Das sind nur zwei der Fragestellungen im Kooperationsprojekt ‚Arbeiten 5.0‘ des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Techniker Krankenkasse (TK). Insgesamt sechs Monate lang wurde ‚Arbeiten 5.0‘ ab Oktober 2021 auf drei Stationen des UKE getestet und evaluiert. Um ein flexibles und zeitgemäßes Arbeitsumfeld zu schaffen, wurden unter anderem neue Modelle für die Dienstzeiten erprobt. Das führte zu einer deutlich besseren Work-Life-Balance bei den Pflegefachpersonen, so ein Ergebnis der wissenschaftlichen Auswertung. Neben flexiblen Arbeitszeiten wurde auch das Zwei-Schicht-Modell am Wochenende erprobte sowie lange Tag- und Nachtdienste, um über mehr freie Tage zu verfügen. Laut Joachim Prölß, Direktor für Patienten- und Pflegemanagement und Personalvorstand des UKE, sind Mitarbeiter:innen motivierter, wenn sie Einfluss auf ihren Arbeitsbereich nehmen können, auf Teile ihrer Aufgaben und auf ihre Dienstzeiten.

„Wir brauchen Projekte wie ‚Arbeiten 5.0‘, um zu zeigen, wie der Berufsalltag von Pflegefachpersonen wieder attraktiver gestaltet werden kann. Das muss unser übergeordnetes Ziel sein, denn überall fehlen ausgebildete Pflegefachpersonen. Rund die Hälfte von ihnen arbeitet derzeit in Teilzeit, viele orientieren sich beruflich um. Deshalb brauchen wir unbedingt flexible Arbeitszeitmodelle und die Möglichkeit zur Weiterbildung“, sagt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg. Pflegefachpersonen in Hamburg sind im Vergleich zu anderen Erwerbspersonen überdurchschnittlich häufig krankgeschrieben, so eine aktuelle TK-Auswertung: Allein 2021 fielen sie im Schnitt gut neun Tage mehr krankheitsbedingt aus als der Durchschnitt der Erwerbspersonen in der Hansestadt (14,1 Tage). Das UKE-Projekt will diesem Problem mit neuen Wege entgegenwirken. Pflegefachpersonen können im Rahmen der flexiblen Arbeitszeit (Gleitzeit) im Projekt den Frühdienst zeitverzögert antreten und den Spätdienst vorzeitig beenden. Die dadurch gewonnene Flexibilität ermöglicht es ihnen, ihre Arbeitszeit besser an die persönlichen Lebensumstände anzupassen. Zudem lassen sich Wochenenddienste auf weniger Köpfe verteilen, wenn ein Wochenendtag von zwei statt drei Diensten abgedeckt wird. Durch längere Dienste am Stück entstehen zugleich mehr freie Tage. Gleichzeitig erhöhen Maßnahmen wie Vier-Stunden-Kurzdienste und mobiles Arbeiten die Flexibilität, verbessern den Informationsaustausch mit Ärzt:innen und führen zu einer besseren Betreuung und Kenntnis der Patient:innen. Seit Juli 2022 wird das Modell sukzessive auf weitere Stationen ausgerollt. Michael van Loo, Projektleiter und Geschäftsbereichsleiter Personal des UKE: „Die Pilotphase hat gezeigt, wie man Dienstzeiten und Prozesse in patientenversorgenden Bereichen zeitgemäß und modern gestalten kann. Alle bisher teilnehmenden Stationen möchten das Modell beibehalten und empfehlen es weiter, das Interesse weiterer Stationen ist hoch.“

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