Demenzlotsen geben Orientierung im Krankenhaus

Frauke Nierhaus und Reinhild Eikenhorst besprechen den Einsatz einer „Tast“-Decke mit verschiedenen Materialien, Oberflächen und Taschen für Verstecke. Die Decke dient zur Beruhigung für Demenzpatient*innen. © Sven Olaf Stange/MKK

In Deutschland leiden etwa 1,5 Millionen Betroffene an einem krankhaften Gedächtnisverlust. Pro Jahr kommen rund 250.000 Neuerkrankungen hinzu, insgesamt werden es bis zum Jahr 2025 etwa 2,5 Millionen Menschen sein. „Mit diesem Wissen ist es umso wichtiger, bereits jetzt ein Grundgerüst zu schaffen, um nicht nur die Pflege, die Behandlung sowie die Betreuung der Betroffenen bestmöglich zu gewährleisten, sondern auch deren persönliches Umfeld eng einzubinden, zu beteiligen und zu beraten“, sagt Reinhild Eikenhorst, Demenz-Coach am Krankenhaus Lübbecke. Denn der Krankenhausaufenthalt, bedingt durch die fremde Umgebung, das Fehlen von Bezugspersonen oder die allgemeine Reizüberflutung, kann sich für Menschen mit Demenz schnell zu einer Krisensituation entwickeln. Desorientierung, Unruhe, Aggression oder Angst sind die Folge. Das kann dazu führen, dass Essen und die Einnahme von Medikamenten abgelehnt oder medizinische Untersuchungen verweigert werden. Im Krankenhaus Lübbecke geht man diese Probleme strategisch an und setzt unter anderem auf Demenzlots:innen. 16 Mitarbeiter:innen wurden bereits ausgebildet. Sie sind Anker für Patienten, Ratgeber für Kollegen und Ansprechpartner für Angehörige, sammeln Informationen (wie Pflegeanamnese, Biographie, Gespräche mit Angehörigen, Pflegeüberleitungen und Vorbefunde), kontrollieren delir-relevante Parameter und notieren ihre Beobachtungen zur Schmerzeinschätzung. So wird eine zeitnahe Therapie bei möglichen Komplikationen angeregt und eine effiziente und qualifizierte Versorgung ermöglicht. Demenzlotsen sind bei Fallbesprechungen dabei und koordinieren die weitere Versorgung in Absprache mit dem Entlassmanagement. „Wir brauchen dringend mehr Aufklärung und Wissen im Umgang mit kognitiv eingeschränkten Patientinnen und Patienten. Die Demenzlots:innen können als Multiplikatoren die erlernten Inhalte mit Kolleg:innen teilen. Davon profitieren alle Bereiche“, sagt Urte Abbate, Pflegedirektorin des Krankenhauses Lübbecke.

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