Deutschlands erste gehörlose Chefärztin startet am Helios Klinikum München West

Dr. Veronika Wolter, Chefärztin der Helios Hörklinik Oberbayern am Helios Klinikum München West ©Helios Klinikum München West/Daniel Stupar

Sie hat selbst eine Hör-Prothese, versteht ihre Patientinnen und Patienten jedoch bestens: Dr. Veronika Wolter ist seit 1. Juli die neue chefärztliche Leitung der Helios Hörklinik Oberbayern am Helios Klinikum München West. Die renommierte Expertin für Cochlea-Implantate trägt selbst eine Innenohr-Prothese.

„Mit Dr. Veronika Wolter gewinnen wir eine engagierte Medizinerin, die sich aufgrund ihrer persönlichen Lebensgeschichte in ihre Patientinnen und Patienten hineinversetzen kann wie keine andere“, sagt Klinikgeschäftsführer Marc Bernstädt. Wolter soll mit ihrer Expertise die HNO-Abteilung im Kollegialsystem mit Chefarzt PD Dr. Thomas Stark weiter ausbauen.

In der neuen Helios Hörklinik Oberbayern will Dr. Veronika Wolter Menschen mit Hörschädigungen eine erste Anlaufstelle bieten: „Ich weiß, wie herausfordernd das Leben mit einer Schwerhörigkeit ist, denn ich bin selbst ertaubt und trage zwei Implantate. Von normal hörend bis zur Taubheit – ich habe alles selbst erlebt.“

Die gebürtige Marburgerin erkrankte im Alter von neun Jahren an einer Hirnhautentzündung, die zunächst zu einer mittel-, später dann zu einer hochgradigen und an Taubheit grenzenden Hörschädigung führte. Durch ein Cochlea-Implantat hat die Mutter von zwei Kindern ihr Hörvermögen zurückerlangt. Heute zählt Wolter zu den renommiertesten Expert:innen für künstliche Hörprothesen. Sie ist nicht nur Deutschlands erste gehörlose Chefärztin, sondern auch weltweit die bislang einzige gehörlose HNO-Chefärztin.

„Mein Anspruch ist es, Patientinnen und Patienten mit Hörproblemen zu unterstützen und die individuell richtige Therapie für ihre aktuelle Lebenssituation zu finden.“ Besonders wichtig sei ihr, dass Betroffene eine lebenslange Nachsorge mit individueller Anpassung ihres Sprachprozessors sowie ein Hörtraining erhalten, denn mit der Operation allein sei es nicht getan.

Die 40-Jährige wechselt von den Asklepios Kliniken Hamburg an das Helios Klinikum München West. Dort war sie Ärztliche Leiterin des Hanseatischen Cochlea-Implantat-Zentrums und hat ein neues Nachsorgeprogramm aufgebaut, um Betroffene langfristig auf ihrem Weg zu begleiten. Zuvor war die Medizinerin im Münchner Martha-Maria-Krankenhaus tägig, wo sie die HNO-Abteilung und ein eigenes Cochlea-Implantat-Zentrum etablierte. Ihre Facharztausbildung absolvierte sie an der HNO-Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover, dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und dem Martha-Maria-Krankenhaus München-Solln.

Das Cochlea-Implantat ist ein medizintechnisches Gerät für Menschen mit Taubheit oder mittel- bis hochgradiger Schwerhörigkeit, die im Alltag nicht mehr von einem konventionellen Hörgerät profitieren. Aktuell ist es die einzige Prothese, die ein menschliches Sinnesorgan vollständig und erfolgreich ersetzen kann. Dabei übernehmen die Implantate mit hoch spezialisierter Technik die Funktion des ausgefallenen Innenohrs. Sie können bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen eingesetzt werden.

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