Digitale Technik und Telemedizin retten Leben und erhöhen Genesungschancen von Schlaganfallpatienten

Das Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen (ZTM) und die Lean GmbH aus Wuppertal schaffen gemeinsam die technischen Grundlagen für den Aufbau des Telemedizinischen Netzwerks "Tele-Stroke" am Klinikum rechts der Isar der TU München.

Statistisch gesehen erleidet in Deutschland alle zwei Minuten ein Mensch einen Schlaganfall. Rund 63.000 Menschen überleben dieses Ereignis nicht. Etwa ein Viertel der Betroffenen überlebt mit schweren Folgeschäden. Sowohl die grundsätzliche Überlebenschance als auch der Schweregrad bleibender Schäden sind maßgeblich davon abhängig, wie schnell ein Schlaganfall erkannt und fachgerecht behandelt wird. Hierfür ist seitens der Erstbehandlung im Krankenhaus vor allen Dingen diagnostisches Know-how unverzichtbar. Viele Schlaganfälle äußern sich in Symptomen, die von Medizinern ohne ausgewiesene Fachkenntnisse mit anderen Erkrankungen verwechselt werden können. Entsprechend geschulte und erfahrene Neurologen sind gerade an kleineren Krankenhäusern, insbesondere im ländlichen Raum, selten anzutreffen. Der Transport potenzieller Schlaganfallpatienten zum nächsten Facharzt erfordert jedoch Zeit, die in vielen Fällen nicht vorhanden ist.

Mit dem Konzept „Tele-Stroke“ hat das ZTM gemeinsam mit der Lean GmbH eine Möglichkeit entwickelt, Patienten auch dort eine fachgerechte Erstversorgung zukommen zu lassen, wo kein geschulter Neurologe vor Ort verfügbar ist. Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die digitale Video-Übertragung zwischen Kooperationskliniken und einer Zentralklinik. In der Abteilung für diagnostische und interventionelle Neuroradiologie am Klinikum rechts der Isar ansässige Fachärzte können per Video-Schaltung hinzugezogen werden. Sie stellen ihr Know-how ortsunabhängig zur Verfügung und unterstützen aus der Ferne bei Diagnostik und Planung einer individuell angemessenen Therapie. Für die technische Umsetzung bedarf es der Integration moderner telemedizinischer Infrastruktur in bestehende digitale Netzwerke.

Als Spezialist für die Digitalisierung von Arbeitsabläufen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen unterstützt die Lean GmbH das ZTM mit einem stabil gebauten Videowagen, der die Basis für die Zusammenarbeit von Ärzten an verschiedenen Standorten bildet. „Unsere mobilen Videowagen sind für die Neurologen in der Zentralklinik gewissermaßen Augen und Ohren am weit entfernten Krankenbett“, so Stefan Gröger, Gründer und Geschäftsführer der Lean GmbH. Über eine per Remote-Verbindung aus der Ferne steuerbare Kamera sei dem Facharzt eine ausführliche und schnelle Diagnose möglich, die als lebensrettende Grundlage für eine weitere Behandlung dienen kann.

In der ersten Stufe des Projektes Tele-Stroke wird die Vernetzung des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München als Zentralklinik mit der Kooperationsklinik Weilheim eingerichtet. Nach erfolgreicher Etablierung der ersten Netzwerkverbindung München-Weilheim werden weitere Kooperationskliniken an das Zentrum angebunden und damit das Telekonsil-Netzwerk ausgebaut.

Bildquelle: Hassan Akhtarini

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