Ein völlig neues Leben: Neue Hoffnung bei Lebertransplantationen

Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) verfügt seit Mitte Oktober 2021 als eines von wenigen Kliniken bundesweit über ein modernes Gerät zur Perfusion von Spenderlebern. Damit können nun mehr Patienten, die auf eine Lebertransplantation warten, mit Spenderorganen versorgt werden. Mit dem Gerät können Spenderlebern angenommen und transplantiert werden, die eigentlich hätten abgelehnt werden müssen. Der 58-jährige Helmut Röder war der erste Patient, der davon profitierte.

Der allgemein vorherrschende Mangel an Spenderorganen ist bekannt. 2020 gab es deutschlandweit 1.416 Anmeldungen auf die Warteliste zur Lebertransplantation, aber nur 826 Lebertransplantationen. Am UKR wurden 2021 bislang 32 Transplantationen durchgeführt, insgesamt 180 Patienten warten dort auf eine Spenderleber.

Ist tatsächlich ein Organ verfügbar, ist es für den potenziellen Empfänger nicht auch unbedingt geeignet ist. Entscheidendes Kriterium ist neben den medizinischen Parametern auch die Zeit, die es braucht, bis das Organ transplantiert werden kann. Bei Helmut Röder war vor allem die Zeit ein kritischer Faktor. „Durch die diversen Vorerkrankungen und zahlreichen Eingriffe, die über die Jahre vorgenommen wurden, stellte sich die Entnahme des alten Organs bei Herrn Röder als äußerst kompliziert dar. Allein dieser Eingriff nahm schon Stunden in Anspruch“, so Professor Dr. Hans Schlitt, Direktor der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des UKR. „Hinzu kommt, dass das Spenderorgan aus einem anderen europäischen Land geholt werden musste.“ Mit den konservativen Methoden kann eine Spenderleber etwa zwölf Stunden vital gehalten werden. Mit dem neuen Leberperfusionsgerät, genannt „OrganOx metra“ kann dieser Zeitraum aber fast um das Doppelte verlängert werden. Spenderorgane, die aus Zeitgründen eigentlich abgelehnt werden müssten, können dadurch nun transplantiert werden.

Das Spenderorgan wird mit Schläuchen an die Maschine angeschlossen und mit Blut versorgt. „So können wir wie am lebenden Objekt Proben nehmen und Labortests durchführen“, erläutert Dr. Frank Brennfleck, Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des UKR. Neben der Verlängerung der Zeitspanne, die für die Transplantation zur Verfügung steht, kann so das Spenderorgan bereits im Vorfeld ausgiebig funktionell beurteilt werden. „Dadurch können wir genau sagen, ob das Spenderorgan sich für den möglichen Empfänger eignet und so die Wahrscheinlichkeit einer späteren Abstoßung minimieren“, so Brennfleck.

„Wir haben nun Zeit, die Leber genau zu testen, bevor wir transplantieren. Dadurch können wir nun Spenderlebern annehmen und transplantieren, die bereits von anderen Stellen abgelehnt wurden“, so Prof. Dr. Stefan Brunner, stv. Direktor der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des UKR.

Bild: Nach der geglückten Lebertransplantation (v.l.n.r.): Prof. Dr. Hans Schlitt (Direktor Klinik und Poliklinik für Chirurgie), Prof. Dr. Stefan Brunner (stv. Direktor Klinik und Poliklinik für Chirurgie), Helmut Röder, Dr. Henrik Junger (Assistenzarzt Klinik und Poliklinik für Chirurgie), Dr. Frank Brennfleck (Oberarzt Klinik und Poliklinik für Chirurgie)

Bildquelle: UKR/Franziska Holten

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