Haltegriff und Fahrkartenentwerter als Anker für besondere Patienten

Die Dresdner Verkehrsbetriebe haben die Neugestaltung der Autismus-Ambulanz des Universitätsklinikums Gustav Carus Dresden unterstützt: Farbflächen, Spielangebote und eine Wand mit Accessoires aus Bus und Straßenbahn verkürzen seit Mitte Januar die Wartezeit. Auf einer Spielwand wurden mit Elementen aus Bus und Bahn Bezugspunkte zu einem Thema gesetzt, das Menschen mit autistischen Störungen fasziniert. Die neue Installation gibt ihnen Orientierung sowie Struktur und erleichtert so das Warten.

Wer die Autismus-Ambulanz betritt, sieht einen rund 50 Meter langen Flur. Geteilt durch eine Feuerschutztür reihen sich auf jeder Seite etwa zehn Türen. Dahinter finden ganz unterschiedliche Dinge statt: Da ist der Raum, in dem sich Patienten und Eltern anmelden können, der Warteraum, der Raum für Kunsttherapie, weitere Therapieräume und Büros. Hier das richtige Zimmer zu finden und sich nicht von der fremden Umgebung verunsichern zu lassen, ist für die jungen Patienten nicht ganz einfach.

Gegen das Tunnelgefühl auf dem Ambulanzflur hat Britta Fahr angearbeitet. Die Dresdner Kunsttherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie hat das gesamte Gestaltungskonzept entworfen, wobei der Schwerpunkt auf der Farbgebung lag. In dem Ton „taupe“ gehaltene, wiederkehrende Flächen strukturieren den Gang neu. Damit er nicht in der Leere einer weißen Wand mit dem grauen Ausblick auf ein Nachbargebäude endet, erhielt die Wand einen grasgrünen Anstrich. „Die zurückhaltenden Farbtöne wirken beruhigend und lassen sich gut mit den unterschiedlichen Farbakzenten der Pinnwände oder den zwei zum Spielen einladenden Tafeln kombinieren“, sagt Britta Fahr.

Neben der neuen Gestaltung in Form farblicher Akzente finden die Patienten mit Störungen des Autismus-Spektrums in der Ambulanz nun Flächen zum Spielen und Innehalten. Sie erleben den Flur als eine Welt von Bus und Straßenbahn der Dresdner Verkehrsbetriebe: rechts eine Griffstange mit der Taste für den Haltewunsch, links ein orangefarbener Entwerter für die Fahrkarten. Auch der typisch schwarz-gelbe Stoff der Sitze, ein Puzzle und weitere Bilder vom DVB-Maskottchen Leo gehören dazu.

Dr. Katja Albertowski, Leiterin der Autismus-Ambulanz, erfährt fast täglich, wie präsent und wichtig für viele Patienten die gelb-schwarzen Busse und Bahnen im Dresdner Stadtgebiet sind. Hinweisschilder, Fahrpläne und Karten mit den vielen Linien folgen einer festen Struktur, die für Menschen mit dieser Entwicklungsstörung sehr wichtig sind. Gern vertiefen sie sich in diese Systematik und verfügen so über oft großes Spezialwissen. Für Therapeuten ist diese Themenwelt ein Weg, um Kontakt zu ihren Patienten aufzunehmen, was ihnen aufgrund ihrer Erkrankung ansonsten sehr schwerfällt. Da es den Menschen mit Störungen des Autismus-Spektrums oft an Zeitgefühl mangelt und es ihnen schwer fällt, ihre Handlungen zu planen, ist es für sie immer wieder schwierig, auf den Beginn ihres Termins zu warten. Die neu gestalteten Tafeln und Flächen wirken wie ein Anker und helfen beim Innehalten und Studieren. Deshalb gibt es neben der liebevoll vom DVB-Gestaltungsteam konzipierten, gestalteten und hergestellten Tafel beispielsweise auch eine Landkarte oder ein Kugelspiel. Die etwa zwei Meter lange Tafel mit Fahrkartenentwerter, magnetischem Puzzle und Original-Haltegriff mit Schalter kommen bei den jungen Patienten und beim Klinikteam sehr gut an. Design und Ausführung entsprechen den Standards, die das DVB-Team auch bei der Ausschilderung ihrer Servicepunkte erfüllt. Die Wiedererkennbarkeit hilft den Patienten, sich in der Ambulanz wie zu Hause – oder besser wie in Bus und Bahn – zu fühlen. Deshalb haben die DVB auch dafür gesorgt, dass ein unübersehbares gelb-grünes Halteschild auf die Tür zur Anmeldung hinweist. Schon jetzt zeigt sich, dass das Konzept seine Wirkung nicht verfehlt.

Bild: Dr. Katja Albertowski, Leiterin der Autismus-Ambulanz, zeigt Mathilda den originalen Fahrkartenentwerter, den das DVB-Team auf  der Spieltafel montiert hat.

Bildquelle: Uniklinikum Dresden / Holger Ostermeyer

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