Kampf um jeden Atemzug

Dr. Daniel Zickler: Kampf und jeden Atemzug. Erlebnisse und Forderungen eines Insiders. Bonifatius Verlag, Paderborn 2022. 18 Euro.

In der Berliner Charité kämpft Dr. Daniel Zickler täglich um das Leben von Menschen. Routine kennt er nicht. Jeder Intensivpatient ist anders, bringt seine persönliche Kranken- und Lebensgeschichte mit. Zickler ist einer, der schon mal bei den Angehörigen anruft, wenn ein Patient oder eine Patientin verstorben ist, und für Fragen zur Verfügung steht. Ein Arzt mit viel Empathie, wie man ihn sich wünscht. Anhand ergreifender Fallgeschichten und Erfahrungsberichten beschreibt er Hoffnungen, Erwartungen und Wünsche von Patienten, Ärzten, Pflegern und Angehörigen. Und er schildert die Zeit während der Corona-Pandemie – mit „Horror-Covid-Phasen“ hat er dieses Kapitel überschrieben. Die Corona-Pandemie habe Probleme sichtbar gemacht, die es zwar vorher schon gab, die aber nicht deutlich genug im Blickfeld waren. Etwa die Tatsache, dass die Teams auf den Stationen oft an der Belastungsgrenze sind. Viele steigen aus. Die Fluktuation in Medizinberufen und der Pflegekräfte-Mangel offenbaren die strukturellen Probleme des Gesundheitssystems in Deutschland. Man dürfe jetzt nach der Pandemie nicht zur Tagesordnung übergehen nach dem Motto: Haben wir doch ganz gut hingekriegt, jetzt machen wir einfach weiter wie bisher. Gelöst wurde bisher nichts. Trotz weiterhin einigermaßen hoher Standards sei die Intensivmedizin in Deutschlands in Erosion begriffen. Was hat Corona sichtbar gemacht und was muss getan werden, um die Intensivmedizin stabiler aufzustellen? Daniel Zickler beschreibt gut begründet in jeweils sieben Punkten, was jetzt in Kliniken, Politik und Gesellschaft passieren muss. Und er fordert mehr Solidarität und Wertschätzung. Der Autor ist überzeugt: Eine bessere Intensivmedizin ist möglich – wenn wir alle an einem Strang ziehen. Spannend und lesenswert!

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