Klinikum Ingolstadt: Notfallmedikamente per Langstreckendrohne

Das Klinikum Ingolstadt beliefert zahlreiche Krankenhäuser der Grundversorgung und Fachkliniken mit Medikamenten. Für den Transport von Notfallmedikamenten werden auf der Strecke zwischen Ingolstadt und Pfaffenhofen derzeit Langstreckendrohnen getestet: im Rahmen des Projekts „MEDinTime“.

„MEDinTime“ wird im Rahmen des Förderaufrufes „Unbemannte Luftfahrtanwendungen und individuelle Luftmobilitätslösungen“ seit Ende Oktober 2020 mit insgesamt 1,07 Mio. Euro durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert. Das Projektkonsortium besteht aus Experten des Klinikums Ingolstadt, der Technischen Hochschule Ingolstadt, des Landkreises Pfaffenhofen a. d. Ilm sowie vom Bayerischen Roten Kreuz und steht unter der Projektleitung des Verbundkoordinators Quantum-Systems GmbH.

„MEDinTime“ befasst sich mit einer innovativen Mobilitätslösung für eine wachsende Problemstellung in der Medikamentenversorgung von Kliniken, die rund um die Uhr eine große Auswahl an Medikamenten zur Patientenversorgung vorhalten und spezielle Notfallmedikamente in kürzester Zeit bereitstellen müssen. Dies wird i.d.R. durch entsprechend ausgestattete Klinik-Apotheken gewährleistet. Auch Krankenhäuser der Grundversorgung (I. Versorgungsstufe) müssen wegen der Entfernung zur nächsten Apotheke und der damit verbundenen Transportzeit einen großen Bestand an Medikamenten vorhalten, um die Versorgung jederzeit sicherzustellen. Nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums müssen die Präparate entsorgt werden. Dieser Umstand ist ein erheblicher Kostenfaktor, nicht nur für den Krankenhausbetreiber, sondern für das gesamte Gesundheitswesen.

Im Projekt „MEDinTime“ soll daher bis Dezember 2022 ein Demonstrator zur zuverlässigen und sicheren Versorgung regionaler Kliniken mit Medikamenten mittels automatisiert betriebener Flugdrohnen entwickelt und innerhalb einer längeren Testphase untersucht werden. Dafür wird zwischen dem Klinikum Ingolstadt und Pfaffenhofen eine Teststrecke eingerichtet. Zusätzlich soll das System Echtzeitdaten über die Verfügbarkeit zu transportierender Medikamente bereitstellen.

Als Drohnenbasis dienen senkrechtstartfähige Langstreckendrohnen der Quantum-Systems GmbH, die im Unterschied zu einfachen Kopterdrohnen auch weite Strecken (bis zu 100 km) schnell und geräuscharm sicher zurücklegen können. Die Drohnen werden im Projekt mit einer für den Medikamententransport und den gesetzlichen Vorgaben geeigneten, abnehmbaren, intelligenten Transportbox ausgestattet.

Darüber hinaus werden im Projekt die Grundlagen für weitere Anwendungsbereiche gelegt – wie etwa Medikamententransport in Katastrophengebiete. Mittelfristig ist auch der schnelle Lufttransport von Proben aus einem Testzentrum zu den Untersuchungslaboren denkbar.

Bild: Langstreckendrohne über dem Klinikum Ingolstadt (Montage)

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