Lage der Krankenhäuser so schlecht wie nie

Fast 80 Prozent der Kliniken in Deutschland erwarten laut des aktuellen DKI-Krankenhausbarometers für das Jahr 2023 ein negatives Jahresergebnis, für das laufende Jahr gehen 71 Prozent der Häuser von von einer weiteren Verschlechterung aus.


Die Reform der stationären Gesundheitsversorgung steckt politisch fest, die Lage der Krankenhäuser in Deutschland wird derweil immer schlechter. Fast 80 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland erwarten für das vergangene Jahr ein negatives Jahresergebnis, wie aus dem Ende Dezember 2023 veröffentlichten Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) hervorgeht. Nur noch sieben Prozent der Kliniken erwarten einen Jahresüberschuss. Für das gerade begonnene Jahr gehen 71 Prozent der Krankenhäuser von einer weiteren Verschlechterung und nur vier Prozent von einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation aus. Als maßgebliche Gründe für die schwierige wirtschaftliche Lage werden vor allem die deutlich gestiegenen Sach- und Personalkosten im Krankenhaus identifiziert. Nahezu flächendeckend hätten sie die Liquidität der Krankenhäuser stark beeinträchtigt, heißt es in der Publikation. Am stärksten betroffen waren dabei die kleineren Krankenhäuser bis 299 Betten, von denen 97 Prozent ,sehr stark‘ oder ,eher stark‘ betroffen waren.

Bereits 2022 hatte mehr als die Hälfte (54 Prozent) der deutschen Allgemeinkrankenhäuser ab 100 Betten Verluste geschrieben. Der Anteil der Krankenhäuser mit einem Jahresüberschuss lag bei 35 Prozent und der Anteil der Häuser mit einem ausgeglichenen Jahresergebnis bei elf Prozent. Im Jahr 2021 hatten nur 43 Prozent der Krankenhäuser einen Jahresfehlbetrag und noch 44 Prozent der Häuser einen Jahresüberschuss erreicht. Schaut man sich die Veränderungen von 2021 zu 2022 an, so ist das Jahresergebnis im Jahr 2022 im Vergleich zu 2021 in 56 Prozent der Häuser gesunken und in 22 Prozent der Krankenhäuser gestiegen. Bei den übrigen 22 Prozent ist es laut der Ergebnisse der Befragung konstant geblieben. Blickt man auf die Krankenhausgröße, haben sich die Ergebnisse vor allem in den Krankenhäusern mit 300 bis 599 Betten überproportional verschlechtert, im Jahresvergleich ist das Ergebnis in 60 Prozent dieser Häuser gesunken und nur in acht Prozent der Häuser gestiegen. Dementsprechend sind auch die Erwartungen für 2024 in diesen Häusern am pessimistischsten: 76 Prozent gehen von einer schlechteren, 22 Prozent von einer gleichbleibenden und nur ein Prozent von einer besseren wirtschaftlichen Situation aus. In den großen Krankenhäusern ab 600 Betten ist der Anteil der Krankenhäuser, deren Jahresergebnis sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert hat, laut der Ergebnisse mit 41 Prozent am niedrigsten, in 46 Prozent der Krankenhäuser ab 600 Betten fällt das Jahresergebnis im Vergleich zum Vorjahr höher aus.

Auch der Personalmangel bleibt ein großes Thema: in den kommenden Jahren muss laut der Ergebnisse damit gerechnet werden, dass die Personalengpässe in der Pflege weiter anwachsen. Rund 90 Prozent der Krankenhäuser gehen in ihrer Prognose davon aus, dass sie ihren Pflegepersonalbedarf nicht mehr decken können.

Ein weiterer Belastungsfaktor für die Krankenhäuser sind die Prüfungen des Medizinischen Dienstes (MD): diese würden seit vielen Jahren einen hohen Verwaltungsaufwand in den Krankenhäusern verursachen und nicht selten auch Personal aus dem Behandlungsbereich zur Darlegung der konkreten Behandlungssituation im geprüften Einzelfall binden, so die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) zu den Ergebnissen des Krankenhaus-Barometers. Im konkreten Ergebnis würden diese Prüfungen dann zu Erlösabzügen von durchschnittlich zwei Prozent der stationären Erlöse der Krankenhäuser führen. Diese Zahlen würden zeigen, dass die von den Krankenhäusern gestellten Rechnungen auch ohne weitere Prüfung zu nahezu 100 Prozent korrekt wären. Der im Zusammenhang mit den Prüfungen erforderliche bürokratische Aufwand sei gigantisch und stehe in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Auffälligkeiten. Die bisherigen Versuche der Politik, diesen Prüfaufwand deutlich zu reduzieren und auf die seltenen relevanten Auffälligkeiten zu beschränken, seien gescheitert.

Laut der Umfrage schreiten Digitalisierung und Ambulantisierung im Krankenhaus weiter voran. Zuletzt haben sich über 90 Prozent an der bundesweiten Vergleichsmessung ihres digitalen Reifegrades beteiligt. Aktuell nutzen oder implementieren die Kliniken durchschnittlich fünf digitale Dienste, etwa die elektronische Leistungsdokumentation, ein digitales Medikationsmanagement oder Patientenportale, zum Beispiel für ein digitales Aufnahme- und Entlassmanagement. Der Engpass für eine noch schnellere Digitalisierung ist in den meisten Häusern die nur eingeschränkte Verfügbarkeit der notwendigen externen IT-Dienstleister.

Die Ergebnisse des Krankenhaus-Barometers 2023 beruhen auf der schriftlichen Befragung einer repräsentativen Stichprobe von zugelassenen Allgemeinkrankenhäusern ab 100 Betten in Deutschland, die von Mitte April bis Ende Juni 2023 durchgeführt worden ist. Beteiligt haben sich insgesamt 388 Krankenhäuser.

Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der DKG, kommentierte die Ergebnisse so: „Das sind die schlechtesten Werte seit Einführung des Krankenhaus-Barometers im Jahr 2000. Die Lage der Krankenhäuser in Deutschland ist dramatisch, und die Kliniklandschaft verändert sich in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit und Intensität.“ Man verzeichne aktuell deutlich mehr Insolvenzen als üblich, und das Jahr 2024 drohe ein Rekord-Insolvenzjahr zu werden. „Fast kein Krankenhaus kann seine Ausgaben mehr aus den laufenden Einnahmen decken. Ursache dafür ist neben der seit Jahrzehnten anhaltenden Unterfinanzierung der Klinken bei der Investitionsförderung vor allem der weiterhin ausbleibende Inflationsausgleich,“ so Gaß. „Die Bundesregierung kann und muss jetzt gegensteuern. Ein dringender Schritt muss die inflationsgerechte Anpassung der Landesbasisfallwerte und Psychiatrieentgelte sein, damit Einnahmen und Ausgaben wieder ins Lot kommen. Zwar beinhaltet die geplante Krankenhausreform auch einige positive Elemente, sie beseitigt aber nicht die strukturellen Defizite. So könnte beispielsweise die Vorhaltefinanzierung bei entsprechend wirksamer Ausgestaltung grundsätzlich ein sinnvoller Schritt sein, sie ist aber in der aktuellen Konzeption des Bundesgesundheitsministeriums gerade keine Existenzgarantie für Krankenhäuser im ländlichen Raum. Es kommt kein zusätzliches Geld ins System, es handelt sich lediglich um eine Umverteilung. Auch von einer Überwindung des Fallpauschalensystems kann keine Rede sein.“ Die große Sorge sei, dass wegen der akuten Finanzierungskrise viele Krankenhäuser die geplante Reform Lauterbachs nicht mehr erleben würden. 2023 habe man fast 40 Insolvenzen registriert. Für das Jahr 2024 laufen man Gefahr, dass sich diese Zahl wegen der absehbar starken Personalkostenentwicklung noch verdoppele, prognostizierte Gaß.

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