Neues Kompetenzzentrum für Kinderschutz am UKE

Childhood-Haus Hamburg eröffnet

Anfang Dezember ist das Childhood-Haus Hamburg am Universitätsklinikum Eppendorf eröffnet worden. Im neuen Kompetenzzentrum für Kinderschutz können Kinder und Jugendliche, die Misshandlungen, sexualisierte Gewalt oder Vernachlässigung erfahren oder beobachtet haben, in kindgerechter Umgebung untersucht und begleitet werden. Die Kinder und Jugendlichen werden in der interdisziplinären Einrichtung gemeinsam von Mediziner:innen, Psycholog:innen sowie Fachkräften aus Kinderschutz, Jugendhilfe, Gericht und Polizei betreut und befragt. Ermöglicht wurde das Childhood-Haus Hamburg unter der Trägerschaft des UKE durch den Hamburger Senat und die World Childhood Foundation Deutschland. Die Einrichtung ist die erste ihrer Art in Norddeutschland und die sechste in Deutschland. Childhood-Houses gehen zurück auf das Engagement von Königin Silvia von Schweden, Gründerin der World Childhood Foundation. „Mit unseren Projekten wollen wir ein sicheres Umfeld für alle Kinder schaffen, Misshandlung verhindern und denjenigen, die sie bereits erfahren mussten, eine sicherere Zukunft bieten und sie in der Aufarbeitung und Klärung unterstützen. Das Childhood-Haus Hamburg ist ein lang gehegter Wunsch gewesen, dessen Umsetzung mich mit viel Freude und Stolz erfüllt“, sagt Königin Silvia.

Das Childhood-Haus ist zentrale Anlaufstelle für von Gewalt oder Missbrauch betroffene Kinder und Jugendliche in Hamburg. Die Einrichtung bietet Kindern und Jugendlichen im Verdachtsfall oder erklärten Fall von Misshandlungen, sexualisierter Gewalt oder Vernachlässigung einen Schutzraum, in dem sie gebündelt und kindgerecht untersucht, befragt und beraten werden. Dabei übernimmt eine sozialpädagogische Fachkraft die Koordination aller beteiligten Professionen und ist als erste Ansprechperson für das Kind da.

Läuft ein Ermittlungsverfahren, können im Childhood-Haus alle notwendigen Befragungen durch Mitarbeitende der Polizei oder Justiz kindgerecht durchgeführt, audiovisuell aufgezeichnet und ins Gericht übertragen werden. Damit sollen den Kindern und Jugendlichen mehrfache Aussagen bei einem möglicherweise folgenden Gerichtsprozess im Gerichtssaal erspart und die Kinder vor einer Retraumatisierung geschützt werden. Auch Familiengerichte können im Childhood-Haus Hamburg Anhörungen und Befragungen von Kindern und Jugendlichen durchführen.

Das Haus verfügt daher sowohl über kindgerechte Untersuchungsräume als auch über einen kinderfreundlichen Befragungsraum, den die Kooperationspartnern nutzen können. In Beratungsräumen können Kinder und ihre Angehörigen durch psychosoziale Fachkräfte beraten und stabilisiert werden und in weiteren Büro- und Besprechungsräumen können Fachkräfte der unterschiedlichen Bereiche austauschen.

Das Childhood-Haus Hamburg berät alle Menschen, die den Verdacht haben, ein Kind oder ein Jugendlicher könnte misshandelt oder vernachlässigt werden, über mögliche weitere Schritte. Die Mitarbeiter:innen sind telefonisch rund um die Uhr erreichbar. Vor Ort sind von 9 bis 17 Uhr Kinder- und Jugendärzt:innen sowie Rechtsmediziner:innen neben sozialpädagogischen Case-Manager:innen anwesend, die bei Bedarf sofort intervenieren und weitere Schritte einleiten können.

Die Einrichtung befindet sich nicht auf dem UKE-Gelände, sondern ist zentral im Stadtteil Hoheluft-Ost gelegen. Bislang wurden Kinder und Jugendliche mit Gewalterfahrung im vom Institut für Rechtsmedizin des UKE betriebenen Kinderkompetenzzentrum (Kinder-KOMPT) untersucht, das im neuen Childhood-Haus aufgeht. Im Kinder-KOMPT wurden allein 2020 fast 850 Untersuchungen von Kindern im Säuglingsalter bis zum 18. Lebensjahr durchgeführt, bei denen der bestätigte oder erklärte Verdacht einer Gewalterfahrung bestand. Die Gespräche mit den Familien, die Befragungen der Kinder und die Aufarbeitung der Geschehen wurden bislang – anders als nun im Childhood-Haus vorgesehen – an verschiedenen anderen Orten durchgeführt. Finanziert wurde das bisherige Kinder-KOMPT im Institut für Rechtsmedizin unter anderem von der Sozialbehörde, die auch das Childhood-Haus Hamburg finanziell unterstützen wird.

www.childhood-haus.de

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