Notfallkliniken geht die Luft aus

DGINA-Präsident Martin Pin

Die Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) schlägt Alarm: Seit Monaten klagen Notaufnahmen deutschlandweit über teils dramatische Überlastung. Bei einer Online-Blitzumfrage der DGINA Anfang Juli, an der sich 34 Prozent aller Notfallkliniken in Deutschland beteiligten, bezeichneten nur 7,6 Prozent der Befragten ihr Patientenaufkommen am Vortag als normal oder gering. 65,7 Prozent berichteten dagegen im gleichen Zeitraum von einer Überlastung bis hin zu einer schwerwiegenden oder sogar gefährlichen Überfüllung (,Overcrowding‘). „Ein Overcrowding wird nicht nur dadurch ausgelöst, dass viele Patienten in die Notaufnahmen kommen, sondern vor allem dadurch, dass sie nicht rasch genug auf Normal- oder Intensivstationen weiterverlegt werden können, weil dort Betten fehlen“, erklärt DGINA-Präsident Martin Pin. Von einem solchen Rückstau (,Exit Block‘) in den vergangenen 24 Stunden berichteten 84 Prozent der Umfrageteilnehmer. „Unsere Umfrage hat gezeigt, dass das Problem der fehlenden Betten für Notfälle in den Kliniken gegenüber dem Vorjahr noch einmal deutlich zugenommen hat. Den Kliniken fehlen aktuell im Gesamtdurchschnitt 20 Prozent der Planbetten, das spüren wir in den Notfallzentren deutlich“, so Pin.

Obwohl in knapp 60 Prozent der Fälle die Integrierte Leitstelle über die aktuell bestehende Kapazitätserschöpfung informiert war, wurden fast allen abgemeldeten Kliniken (94,4 %) weiterhin Patientinnen und Patienten zugewiesen. Gleichzeitig fehlt den befragten Notaufnahmen Personal: In der Umfrage gaben 98,6 Prozent an, von Personalengpässen betroffen zu sein – verursacht durch unbesetzte pflegerische und/oder ärztliche Stellen (82,3 %), krankheitsbedingte Ausfälle (75,4 %) und zusätzliche Ausfälle aufgrund von Infektionen mit dem SARS-CoV-2-Virus (79,3 %). Pin fordert eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und strukturelle Maßnahmen, wie etwa Personaluntergrenzen für Notaufnahmen und garantierte Bettenkontingente. „Die Notfallversorgung muss endlich im DRG-System aufgewertet werden“, so der DGINA-Präsident.

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