Psychische Belastung von Ärzten steigt

Eine kürzlich veröffentlichte Studie, für die Onkologen und Chirurgen in mehreren europäischen Ländern befragt wurden, hat ergeben, dass 95 Prozent von ihnen im vergangenen Jahr unter psychischen Belastungen gelitten haben.


Eine Ende 2023 zum dritten Mal in Folge durchgeführte Umfrage unter Onkologen und Chirurgen aus Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Dänemark und Schweden zur aktuellen Arbeitssituation hat ergeben, dass fast alle Befragten im vergangenen Jahr von wenigstens einer psychischen Belastung betroffen waren – nur bei fünf Prozent war das nicht der Fall. Depressionen waren dabei das am häufigsten genannte psychische Problem (37 Prozent), mit einem Plus von neun Prozent gegenüber einer vergleichbaren Erhebung im Jahr 2022. Auch bei allen weiteren abgefragten Themen – Schlaflosigkeit, Burnout, Angst und Stress – war ein Anstieg zu verzeichnen, wobei die beiden letztgenannten Themen 37 beziehungsweise 34 Prozent betrafen. 2021 hatten noch 98 Prozent angegeben, unter wenigstens einer psychischen Belastung zu leiden, gegenüber 2022 (87 Prozent) ist nun wieder ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen.

Ein Grund dafür scheint die große Zahl an Patienten zu sein, die auf eine Behandlung wartet: Laut der Umfrage gehen 90 Prozent der befragten Mediziner davon aus, dass der derzeitige Personalmangel sich auch weiter negativ auf den Abbau des Patientenstaus auswirkt. Der Rückstau wird im Durchschnitt noch drei weitere Jahre andauern und frühestens 2027 bewältigt sein (3,19 Jahre im Durchschnitt). Diese Prognose hat sich von Jahr zu Jahr erhöht: Bei der Erhebung im Jahr 2021 waren es im Durchschnitt 2,19 Jahre, im Jahre 2022 3,01 Jahre. Diese Schwierigkeiten scheinen sich auf die Einstellung der Befragten zu ihrer Arbeit auszuwirken. Die Befragten gaben häufig an, besorgter, trauriger, hoffnungsloser und wütender als im Erhebungszeitraum der Vorjahre zu sein. Gaben 2022 noch 20 Prozent der Befragten an, zeitweise frustriert zu sein, so stieg dieser Anteil in der aktuellen Befragung auf 26 Prozent.

Die Frage, ob Technologie dabei helfen kann, die Arbeitssituation zu verbessern, wird unter den Befragten zunehmend skeptisch gesehen. Sagten 2022 noch 83 Prozent, dass Technologie hilfreich beim Bewältigen der Probleme sein könne, so sind es bei der aktuellen Befragung nur noch 62 Prozent. Das Ergebnis macht deutlich, dass die Technologiepartner im Gesundheitswesen daran arbeiten müssen, die Nutzung dieser Ressourcen in einer Weise zu ermöglichen, die die angespannten Zeitpläne nicht noch weiter belastet, sondern dabei hilft, Arbeitsdruck und -belastung abzubauen.

Ein Lichtblick ist, dass fast die Hälfte (45 Prozent) der Befragten positive Gefühle in Bezug auf ihre berufliche Rolle empfindet, wobei 29 Prozent positiv gestimmt sind und 23 Prozent sich auf das kommende Jahr freuen.

Durchgeführt wurde die Befragung von Censuswide zwischen dem 25. September und dem 2. Oktober 2023 im Auftrag von Sony Healthcare Europe.

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