Viele Klinikinsolvenzen in NRW und Rheinland-Pfalz

Die Zahl der Insolvenzen deutscher Krankenhäuser ist im vergangenen Jahr rapide angestiegen. Eine Auswertung der Daten des Insolvenzportals NRW zeigt im zeitlichen Rückblick einen Anstieg der Insolvenzen um rund 330 Prozent gegenüber 2022.

Abb.: Curacon; Quelle: Insolvenzportal NRW, Stand 04.01 2024. Berücksichtigt wurden alle im Portal eröffneten Insolvenzverfahren

* Kliniken umfassen alle Träger von Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen gemäß Krankenhausverzeichnis 2021


Eine alarmierend hohe Zahl deutscher Krankenhäuser hat im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet. Im zeitlichen Rückblick ist eine dramatische Insolvenzentwicklung feststellbar. Die Analyse der Daten aus dem Insolvenzportal NRW (Stand 04.01.2024) zeigen, dass 2021 lediglich drei und 2022 sieben Krankenhäuser Insolvenz anmeldeten. 2023 stieg die Zahl der Insolvenzverfahren bei deutschen Krankenhäusern laut der Daten aus dem Portal auf 30. Das meldet das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Curacon.

Im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen Krankenhäusern, bei denen die kommunalen Träger wirtschaftliche Defizite in der Regel ausgleichen würden, seien vor allem freigemeinnützige Krankenhäuser von den Insolvenzverfahren betroffen, so Curacon. Eine Regionalisierung der Insolvenzen auf die Versorgungsstrukturen je Bundesland habe gezeigt, dass Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz aufgrund der hohen Marktanteile der freigemeinnützigen Träger (über 60 Prozent) zu den stark betroffenen Bundesländern gehören. Pro 100 Kliniken lagen die Insolvenzen in NRW demnach bei 2,6, in Rheinland-Pfalz sogar bei 3,1. Der Bundesdurchschnitt lag bei 1,2 Insolvenzen pro 100 Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen.

Erhöhte Lohnkosten durch Tarifsteigerung sowie stark gestiegene Preise insbesondere für Energie, Nahrungsmittel und Medizinprodukte führen zu massiven und nicht refinanzierten Kosten. Anders als in anderen Branchen können Kliniken die steigenden Kosten nicht durch Preiserhöhungen ausgleichen. Die ausbleibende Umsatzerholung nach der Corona-Pandemie, unter anderem bedingt durch die wachsende Ambulantisierung, und die teilweise nötigen Leistungseinschränkungen, bedingt durch den Fachkraftmangel, seien weitere Belastungen, denen die Krankenhäuser ausgesetzt sind, hieß es von Curacon. „Aktuell ist eine weitere dramatische Entwicklung der Liquiditätssituation der Krankenhäuser feststellbar. Gerade in diesen wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist eine gute Transparenz der eigenen wirtschaftlichen Lage und ein frühzeitiges, aktives Management der Geschäftsführung existenziell.“, so Niels Wantia, Leiter der Research-Abteilung bei Curacon.

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