Weltpremiere: Knappschaftskrankenhaus Bochum setzt neue Methode zur minimalinvasiven Glaukom-Behandlung ein

Weltweit leiden mehr als 100 Millionen Menschen unter einem Glaukom ('Grüner Star'), einer fortschreitenden Augenerkrankung. Unentdeckt und unbehandelt kann sie zur Erblindung führen. Dabei ist sie mithilfe moderner Diagnostik frühzeitig erkennbar und gut behandelbar. Eine neue operative Therapieoption aus der minimal-invasiven Glaukomchirurgie (MIGS) macht die Behandlung nun noch erfolgreicher. Weltweit als erster hat Prof. Dr. Burkhard Dick, Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum, das neue Mikrobypass-Implantat "MINIject" nach der aktuellen Zulassung zur Behandlung von Patienten mit einem primären Offenwinkelglaukom eingesetzt. Es hilft dabei, den natürlichen Abflussweg des Kammerwassers zu fördern und so den schädlichen, bei Glaukom-Patienten dauerhaft erhöhten Augeninnendruck nachhaltig zu senken.

Entwickelt wurde das Mikrobypass-Implantat durch das belgische Medizintechnikunternehmen iSTAR Medical SA. Das System setzt auf eine Kombination der Drainagekraft des supraziliären Raumes und dem patentierten STAR-Material, um Kammerwasser durch die Mikroporen des Implantats in das verzweigte Geflecht von Blutgefäßen in der Aderhaut aus dem Auge abzuleiten. Das STAR-Material hat in präklinischen Studien ausgeprägte antifibrotische und entzündungshemmende Eigenschaften demonstriert und weist eine einzigartig weiche, flexible Struktur auf, die den natürlichen Flüssigkeitsabfluss verbessert. Ergebnisse aus vier klinischen Studien mit mehr als 150 Patienten in Europa, Asien und Lateinamerika haben dem "MINIject" wiederholt ein positives Sicherheits- und Wirksamkeitsprofil attestiert. An der klinischen Erprobung des neuartigen MIGS-Verfahrens war auch die Universitätsaugenklinik Bochum unter Leitung von Prof. Dr. Burkhard Dick maßgeblich beteiligt. Das Mikobypass-Implantat hat inzwischen erfolgreich die europäische Zulassung sowie die CE-Kennzeichnung (Conformité Européenne) erhalten.

Burkhard Dick erklärte, er freue sich über die nun erfolgte Zulassung und Verfügbarkeit dieser neuen Lösung im Bereich der mikroinvasiven Glaukomchirurgie: "Wir haben stets den Anspruch, unseren Patienten die neusten und vielversprechendsten Behandlungsoptionen zur Verfügung stellen zu können“, so Professor Dick. Mikro-Bypass-Implantate können eine innovative, minimal-invasive Alternative zu den bisherigen Therapiemaßnahmen bei Glaukom sein. Innerhalb der MIGS-Ansätze steche das MINIject-System laut Dick durch ein innovatives Materialkonzept heraus und sei derzeit das einzige verfügbare Implantat für eine sichere und effektive Ableitung des Kammerwassers in den supraziliären Raum.
Beim Glaukom führt der eingeschränkte Abfluss der im Auge gebildeten Flüssigkeit zur Steigerung des Augeninnendrucks, der unbehandelt die Sinneszellen in Netzhaut und Sehnerv schädigt. Eine Senkung des Augeninnendrucks durch Medikamente oder eine Operation hilft, das Fortschreiten der Krankheit zu verzögern. Während die medikamentöse Behandlung mit Augentropfen in der Regel die erste Wahl ist, stellt die Einhaltung der Selbstapplikation (Compliance) von zum Teil verschiedenen Präparaten pro Tag Patienten vor Herausforderungen. Zusätzlich ist deren dauerhafte Anwendung mit Nebenwirkungen und fortlaufenden Kosten verbunden. Minimal-invasive Verfahren mit dem Einsatz von Kleinstimplantaten zur Glaukomtherapie sind daher aufgrund ihres Sicherheitsprofils eine vielversprechende und schnell wachsende Behandlungsalternative – vor allen zu invasiveren Operationen, die Risiken mit irreversiblen Komplikationen bergen können.

Die nun verfügbare operative Therapieoption mit dem "MINIject" fügt sich nahtlos in das therapeutische Kontinuum am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum für Glaukom-Patienten ein. Weiterhin erfolgt die Untersuchung in der Augenklinik in engem Kontakt mit den Augenärzten/innen. Diese besprechen den Befund und beraten über die entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten.

Bild: Professor Dr. Burkhard Dick am Operationsmikroskop.

Bildquelle: Fotoabteilung, UK Knappschaftskrankenhaus Bochum

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